Donnerstag, 16. Juli 2026

Auf 2 Rädern über die Alpen

...doch bevor ich zu unserer großen Mountainbikerunde komme gibts erstmal ein paar ornithologische Exkurse von unserer Kite-Woche in Pruchten im Mai, in der nicht nur die Vögel durch die Luft geflogen sind.

Gartenrotschwanz
Klappergrasmücke
Auf einer kleinen Biketour haben wir dann folgende schräge Vögel entdeckt. Ein absolutes Highlight und wunderbar zu beobachten. Wir hätten stundenlang einfach nur zuhören und zuschauen können bei diesen eleganten Luftakrobaten.
Kiebitze
Doch nicht nur zuschauen, sondern auch aktiv werden stand aufm Programm. Der Wind liess uns nicht im Stich und wir konnten ordentlich unserer Kitesucht fröhnen. Dabei gab es auch erste Sprungversuche und auch schon gelungene Sprünge, aber auch einige Abstürze. Auf jeden Fall ist die Lust weiterzuachen auch in die Höhe gegangen!

Im September folgt dann Kite-Runde Zwei und wir hoffen da anschliessen zu können, wo wir hier erstmal aufhören mussten. Hier gibts erstmal noch ein paar Birdpics bevor ich zu unserer Alpenüberquerung komme.

Rohrammer

Und jetzt geht das los! Der Rucksack gepackt, die Kette geölt, es wird kräftig in die Pedale getreten. Ende Juni startet unsere große...

MTB-Alpenüberquerung 2026

Classic Picture, das man machen muss!

ab durchs Verwall

Ein paar Classix zu Beginn. Wir fahren wieder mit dem Nachtzug in die Schweiz und danach gehts nach St.Anton im Arlberg, unserem Startpunkt. Die späte Ankunftszeit, lässt nur noch eine kurze Etappe zu und so radeln wir noch gemütlich 2 Stunden hoch bis zur Konstanzer Hütte. Am folgenden Tag wartet dann die erste volle Etappe auf uns. Die Strecke ist aber zum größten Teil bekannt. Durch das Verwall geht es hinauf zur Heilbronner Hütte und wieder hinab nach Galtür und schließlich hinein ins Fimbatal an dessen Ende uns die Heidelberger Hütte, unser Domizil für die Nacht, erwartet.

Eine schlechte Nachricht. Beim Abendessen auf der Heidelberger Hütte bekommen wir dann die Information, dass die Uina-Schlucht gesperrt wurde, unser Tourhighlight. Neeeeiiiiinnnn! Die Geschichte wiederholt sich! War damals bei unserer ersten Transalp schon der Traciolino-Trail gesperrt (unser damaliges Highlight) trifft es uns nun erneut. Wir halten eine Krisensitzung ab, neben der Hütte wo wir gerade genug Netz haben um den Track umzubauen. Die Schweizer geben uns, als offizielle Umleitung, die Route über S-Charl und den Sesvenna-Pass zur Sesvenna-Hütte, unserem nächsten Ziel. Soll angeblich gut machbar sein, mit etwas Schieben, aber das müsste man in der Uina-Schlucht auch, so die Aussage dazu. Na gut, wir nehmen das erstmal so an, doch das bedeutet für uns nochmal mehr Kilometer und Höhenmeter, also zeitig starten am nächsten Morgen.

Schöner Platz für eine Krisensitzung

Escalation Tour. Am Tag darauf geht erstmal alles ganz gut los. Wir starten pünktlich an der Hütte und beginnen unseren ersten Anstieg hinauf zum Fimba-Pass. Der Trail hinab hats dann auch erstmal in sich, aber wir kommen gut voran und nach unten wird der Weg dann immer einfacher zu fahren. Eine Baustelle auf dem Weg nach Vna und Ramosch zwingt uns nochmal einen Umweg zu nehmen, aber mit relativ wenig Zeitverlust, erreichen wir schließlich das Ufer des Inn. Nun gehts an diesem entlang nach Sur En (wo wir der Uina-Schlucht nochmal von weitem zuwinken) und weiter bis nach Scoul, wo der nächste Anstieg auf uns wartet. 

eine Schlingnatter (oder Glattnatter)

Gegen Mittag beginnen wir uns die Serpentinen der Strasse nach S-Charl hochzuschlängeln und danach geht es etwas flacher hinein ins Val S-Charl. Die Sonne macht ihren Job und bei mir wird das Trinkwasser schon knapp, um so mehr freuen wir uns als wir S-Charl erreichen und gleich am ersten Brunnen unsere Trinkflaschen auffüllen können. Zeit für eine etwas längere Pause bei Limo und Pommes.  Gegen 15Uhr gehts dann weiter. Noch sind wir zuversichtlich, das wir es gut schaffen können. Wir biegen ab ins Val Sesvenna. Noch rollen die Bikes, doch es wird zunehmend steiler und unsere Kräfte beginnen gleichermassen zu schwinden. Vorbei an der Alp Sesvenna begeben wir uns immer weiter ins Tal hinein. Immer öfter zwingen uns Steilheit und Gelände nun zu schieben. Dann wird es endlich wieder flacher, aber der Weg ist so schmal und verblockt, wir müssen weiter schieben. Ein kurzer steiler Aufschwung zwingt uns schließlich zum Tragen der Fahrräder.

 

Endlich können wir wieder absetzen, das Gelände wir seichter und es geht zur Abwechslung leicht nach unten. Mal wieder ein Stück fahren, wie schön. Wieder etwas motivierter düse ich los, doch Moment mal, wo führt denn dieser Weg hin? Immer weiter hinein in einen steinernen Kessel. Noch denke ich, gleich wird sich irgend ein Ausgang zeigen. Stellt sich heraus: Nein, dafür eine Steilstufe mindestens 45 Grad, Schotter, Blöcke und etwas Schnee. Das ist unser Weg, ein Zurück gibts jetzt nicht mehr! Mittlerweile gibts in der Sesvennahütte schon Abendessen und auch wir haben Hunger und Lust uns hinzulegen. Wir mobilisieren nochmal alle Reserven, schultern die Räder und nehmen die Steilstufe in Angriff.

der Piz Sesvenna

Schritt um Schritt gehts nach oben, voll konzentriert und fokusiert. Immer im Blick wo man hintritt und nicht daran denken wie schwer das Gewicht auf den Schultern lastet. Alle Schmerzen werden ignoriert. Die Gedanken singen ein Lied, einen bekloppten Ohrwurm den man irgendwo aufgeschnappt hat. Und so schaffen wir das letzte große Hindernis zwischen uns und der Hütte. Wir können wieder Absetzen und für einen Moment mal diese wunderschöne Umgebung geniessen! Auch wenn die Zeit drückt, ist es gut mal inne zu halten, sonst vergisst man warum man das eigentlich alles macht.

Noch ein Stück Schieben und wir erreichen den Sesvenna-Pass, womit der letzte Anstieg des Tages erledigt ist. Es ist mittlerweile 19.00Uhr und das Energielevel ist auf Niedrigstand. Nur noch die Abfahrt, die auch nochmal sehr schwer wird, die Konzentration ist weg, die Kraft aufgebraucht, aber das Gelände, steinig und steil, verlangt uns nochmal alles ab. Einige Teile können wir nicht mehr fahren und schieben die Bikes runter. Dann ist sie endlich da, die Hütte, kurz vor 20.00Uhr, nur 12 Stunden nach unserem Start. Die Hütten-Crew ist sogar noch so lieb und hat Essen für uns. Doch die Tour fordert ihren Tribut, Miss B hat scheinbar zu viel Sonne abbekommen, ihr ist übel und schwummrig. Ohne zu futtern gehts für sie ins Bett. Für den nächsten Tag müssen wir umplanen. Die schwere Etappe zur Zufallhütte wird durch einen Pausentag ersetzt.

Ein kleines Päuschen. Wir nutzen den Tag komplett um wieder in die Spur zu kommen, rumliegen in der Sonne, Murmeltieren zuschauen, ein paar Fotos machen und die Strecke für den nächsten Tag umplanen, mehr passiert nicht. Auch mal schön, wenn man nirgendwo hin muss.

Ungeplantes Terrain. Am nächsten Tag folgt aber dann der Wiedereinstieg in unsere Tour. Genug rumgelegen! Um unsere übernächste Hütte auf der Latscher Alm zu erreichen haben wir die Strecke vereinfacht. Erstmal ballern wir 1500 Höhenmeter rasant nach unten bis ans Ufer der Etsch. Danach sind Miss B's Bremsbeläge durch. Wir tauschen sie kurz aus und rollen weiter auf dem Etschradweg flach durchs Vinschgau um so schnell Kilometer zu machen, ein kleiner Fressstop inklusive. Doch irgendwann gehts auch wieder nach oben. 1200 Höhenmeter in endlosen Serpentinen. Stundenlanges Hochkurbeln ohne das sich irgendwas verändert. Nach jeder Kurve sieht es genau so aus wie nach der Letzten. Kaum ein Lüftchen und kaum noch Wasser in meinen Trinkflaschen. Psychologisch der schlimmste Anstieg für mich. Zum Glück kommt dann doch noch eine Wasserstelle, damit ich die restlichen tausend Serpentinen überleben kann. Endlich ist sie in Sichtweite, die Latscher Alm und damit beenden wir diese Etappe und sind wir wieder bei unserem ursprünglichen Plan angekommen.

Ein neuer Tag, ein neues Ziel. Ganz gut erholt, schwingen wir uns am nächsten morgen wieder auf unsere Bikes. Für heute steht einiges an Anstieg auf dem Programm und so gehts auch direkt los. Nach oben. Erst noch ganz moderat in Richtung Tarscher Alm und dann immer steiler werdend bis zum Tarscher Pass, Schieb- und Tragepassagen obligatorisch. Nach dem Pass folgt ein recht heftiger Trail nach unten. Steinige verblockte Spitzkehren zeigen uns deutlich wo fahrtechnisch unsere Grenzen sind. Aber wir kämpfen uns tapfer weiter und landen auf einem breiteren gut fahrbaren Weg. Den Arzkarstausee lassen wir links liegen und düsen hinab ins Ultental für eine kleine Pause in St.Gertraud, vorm nächsten Anstieg.

Weiter gehts. Durchs Valle de Montechiesa strampeln wir eifrig nach oben in Richtung Rabbijoch. Doch die Beine machen sich immer öfter bemerkbar, mittlerweile fehlt uns die Power um so manche Seilstufe zu fahren. Ein Mix aus Laufen und Fahren bringt uns aber auch vorwärts und den Anstieg zu seinem Ende. Vom Passo di Rabbi ist's dann nur noch eine ganz kurze Abfahrt zu unserem Tagesziel der Haselgruber Hütte oder auch Rifugio Stella Alpina al Lago di Corvo. Und endlich gibts auch mal einen Hüttenhund. Dick heißt uns Willkommen auf seine gemütlich charmante Art.
Lago di Corvo

Dick checkt unseren Trail aus

Die letzte große Hürde. Für den vorletzten Tag gibts dann nochmal eine Gewitterwarnung obendrauf zu der eh schon langen Strecke. Aber Morgens siehts noch ganz gut aus, Dick überprüft nochmal den ordnungsgemäßen Zustand unseres Abfahrtstrails und dein heißt es Abschied nehmen von dieser niedlichen, urigen Hütte und ihren Bewohnern.. Der folgende Trail entpuppt sich als wunderschöner flowiger S2 Trail, für uns komplett fahrbar und so gehts mit einem Lächeln im Gesicht gen Tale, genau gesagt ins Valle di Rabbi und dann weiter bis in den Ort Male, wo es erstmal Zeit ist für ein Eis und ein Lemon Soda. Nochmal Abkühlen vor der nächsten schweißtreibenden Passage. In wunderschönen Serpentinen gehts, bei 32 Grad, steil bergauf. Miss B legt gleich mal ordentlich los und lässt mich direkt stehen. Ich arbeite mich hinterher Kurve um Kurve, komplett in Schweiß gehült. Endlich wird es etwas flacher, aber dafür rumpelt es schon ordentlich hinterm Berg. Das versprochene Gewitter ist im Anmarsch und wir haben noch ein ganzes Stück vor uns. Wir treten in die Pedale und hoffen. Noch im Trockenen erreichen wir die Malga Mondifra. Ab hier gehts wieder abwärts. Der Himmel wird immer dunkler über uns. Schnell wegfahren oder Unterstellen? Beim knabbern am Energieriegel fällt das erste Hagelkorn. Noch ein Donner und die Entscheidung ist gefallen. Unter einem kleinen Vordach eines Holzlagers stellen wir uns unter und harren aus. Mittlerweile regnet es sehr stark und unser trocknes Plätzchen füllt sich immer mehr. Auch zwei Esel kommen vorbei um Schutz zu suchen und nutzen direkt die Gelegenheit um uns unser Essen zu entlocken. Der Regen lässt zum Glück bald wieder nach und wir können unsere Tour fortsetzten. Eine kurze Abfahrt führt uns nach Madonna Di Campiglio und hinein in die Brenta Dolomiten. Da kommen Erinnerungen zurück an unsere Klettertour durch die Brenta (siehe Blog: Quattro Stagioni - Vier Jahreszeiten, Vier Urlaube (Belag 4)). Doch heute sind die Berge in graue Wolken gehült und wir müssen uns beeilen bevor noch ein Regenguss kommt. Auf einem Trail queren wir am Hang entlang. Dann gehts das Vallesinella steil bergab und das Valagola wieder bergauf bis zum Lago di Valagola.

Dann heißt es leider nochmal etwas schieben, bis zum Passo Bregn de l'Ors ist es doch etwas zu steil. Noch schnell hinübergefahren zum Passo del Gotro und von hier gehts zu unserer letzten Abfahrt des Tages ins Val d'Algone. Ein rumpliger Trail über eine Wiese, durch Matsch und steinige Rinnen bringt uns schließlich hinab zur Fahrstrasse, die uns zum Rifugio Ghedina bringt, unserem Tagesziel.

Ein letztes kleines Stück. Aaahhh! Die finale Etappe ist da. Arsch und Beine freuen sich schon auf eine Pause. Distanz und Höhenunterschied sind überschaubar. Das Val d'Algone führt uns hinab aus der Brenta hinaus und oberhalb des Gardasees geht es gemütlich bis zum Tennosee, wo wir noch genug Zeit haben für einen Badestop im türkisblauen Wasser. Vom See ists dann nur noch ein Katzensprung nach Campi, ein verschlafenes kleines Dorf und Endpunkt unserer Alpenüberquerung. Geschafft, Woohoo, Partytime oder eher Zeit zum hinlegen. und Ausruhen!

3 Tage haben wir dann noch Zeit für leckeres Eis in Riva, kleine Ausflüge, eine Wanderung über den Cima d'Oro zum Lago di Ledro und ein paar letzte Crodini an dessen Ufer, bevor wir wieder mit unseren Rädern bis nach Rovereto fahren, von wo uns die öffentlichen Verkehrsmittel wieder mehr oder weniger zuverlässig nach Hause bringen.

Gipfelschaf statt Gipfelkreuz

 Ciau Freunde bis zum nächsten Mal !

Perla

Donnerstag, 23. April 2026

Kites & Hütten

 Pruchten - just Kite it

Als mittlerweile keine Kiteanfänger mehr kehren wir im September 2025 nach Pruchten zurück, zu unserem Lieblingskitelehrer. Das Ziel ganz klar, unsere Skills auf dem Wasser und am Kite verbessern. Die Windrichtung ändert sich nahezu täglich und so lernen wir neben altbekannten Spots auch einige neue Kitereviere, rund um den Barther - und den Bodstedter Bodden kennen. Haben wir die ersten Tage noch etwas mit den Böen zu kämpfen, läuft es dann doch immer besser. Die Wende funktioniert immer häufiger, wir laufen immer mehr Höhe und auch ein erster Sprung ist mit dabei. Viel zu schnell geht die Woche wieder vorbei und wir sind weiterhin addicted und hoffen bald wieder einen Kite in der Hand zu haben und uns durch die Gegend ziehen zu lassen. Und schon bald sollen wir die Gelegenheit dazu bekommen, allerdings etwas anders. Im Januar gehts dann in größerer Gruppe zum...


 Reschensee - im Dreiländereck 

Im Januar ziehen wir in großer Besetzung in ein wunderschönes einfaches Bauernhaus oberhalb von Nauders ein. Jeden Morgen und jeden Abend wir ordentlich angefeuert, damit die Bude warm wird, für warmes Wasser und auch gekocht wird auf einem Holzfeuerofen. Tagsüber sind auch unter anderem Skitouren geplant. Die Region hat eigentlich ein paar Schmankerl zu bieten auch für Skitourenbeginner, doch beim ersten Versuch am äußeren Nockenkopf am ersten Tag kommt sogleich die Ernüchterung. Braun-grüne Hänge leuchten uns an und zwingen uns noch vor dem Start zum Umplanen. Dann also zum Inneren Nockenkopf, der hat zumindest Schnee genug um halbwegs gescheit abzufahren.


Immerhin der erste Gipfel ist geschafft, jedoch sind die Bedingungen für weitere Skitouren mitunter fraglich, da kaum Schneeauflage da ist und uns überall Steine freundlich aus der Schneedecke angrinsen. Deshalb steigen wir die nächsten Tage ersteinmal um. MissB und ich machen den Anfang beim Snowkiten auf dem Reschensee. Der erste Tag geht auch gleich richtig gut ab, kurzes Gewöhnen an den Kite, ein paar mal hin und her und schon laufen wir Höhe und düsen über den halben See bis zum Wahrzeichen der Region, dem Turm vom Reschen, wo wir uns für zwei drei Stunden vergnügt vom Wind rumziehen lassen.

 
 
So gehts dann auch die nächsten Tage weiter, bevor wir einen letzten Skitourenversuch starten am Piz Arina in der Schweiz allerdings mit wenig Hoffnung auf bessere Bedingungen. Beim suchen einer mit Schnee bedeckten Route queren wir um den halben Gipfel und kehren schließlich um.
 
 
Und so ging dieser Urlaub zu Ende, die Crew zerstreute sich wieder und jeder fuhr erstmal seiner Wege bis zum nächsten Mal.
Für mich stand im Februar gleich noch ein Skitourenurlaub auf dem Programm. Zusammen mit Grundi gings auf zwei Hütten.
Wir starten auf der Amberger Hütte in den Stubaier Alpen.

Amberger Hütte 

Mit dem Vorgipfel vom Windacher Daunkogel und der Kuhscheibe schaffen wir es, trotz angespannter Lawinenlage, uns zwei 3000er abzuholen. Dazu gibts wunderschöne lange Abfahrten bei sehr gutem Schnee. Alles in allem sehr gelungene erste Tage.
Danach wird nochmal umgesattlet auf die... 

Neue Bamberger Hütte

 
Etwas entspannter gehts dann im Gebiet der Neuen Bamberger Hütte zu sich. Nicht nur die Lawinenlage ist hier etwas niedriger sondern auch die Gipfel, so das wir pro Tag gleich mehrere machen können und einige zusammen kommen. Der Tristkopf, der Schwebenkopf, die Aleitenspitze, der östliche Salzachgeier und der Fünfmandling. So jetzt reichts aber auch, bis zur nächsten Wintersaison dann.
 
Im Mai gehts dann wieder mit dem Kite aufs Wasser und im Juni mit dem Bike über die Alpen. Bis dahin sage ich Tschau Freunde!
 

Dienstag, 2. September 2025

4000

 Ain't no Mountain high enough

 Auf dem Weg zum Viertausender

Switzerland, Wallis, Saastal 

MissB hatte mal wieder eine verrückte Idee. Warum nicht mal einen Viertausender besteigen, immerhin waren wir beide noch nie auf einem. Und so entstand ganz schnell ein Urlaubsplan. Die Recherche begann, ein Zeitraum wurde festgelegt und nach einer Weile war klar, wir gehen auf Big Mountain Expedition. Nach etwas stöbern in Literatur und im Netz wird das Saastal in der Schweiz als Ziel auserkohren, denn da gibts Viertausender, die auch für uns ganz gut machbar sein sollen. Unsere Wahl fällt auf den Weißmies und das Lagginhorn. Ich buch die Hütten, MissB den Zug, fehlendes Equipment wird besorgt, der Plan wird genauer ausgeschmiedet und plötzlich ist schon Juni und der Urlaub steht vor der Tür.

Also reingehüpft in den Nachtzug und schon eine Nacht und einen halben Tag später, stehen wir im Saastal. Bis wir in unsere Bude einziehen können, ist noch etwas Zeit und so erkunden wir die Gegend rund um Saas-Fe und lassen es uns gut gehen.

Tags darauf steht dann unsere erste Wanderung an, um uns einzulaufen und die erste Höhenluft zu schnuppern. Gleich hinter unserer Wohnung gehts hinauf zum Mellig mit kurzem Getränkestopp am Hannig. Umringt von 4000er Bergen und direktem Blick zu unseren Projekten, ensteht auch langsam etwas Aufregung und Spannung, ob das alles so funtionieren wird wie wir uns das vorgestellt haben. Doch für heute geniessen wir erstmal Panorama, Flora & Fauna!

 
Eine wunderschöne erste Tour, der perfekte Einstand und genau richtig um reinzukommen. Abends packen wir dann noch unsere großen Rucksäcke, denn am nächsten morgen gehts mit dem Bus nach Saas-Grund, denn dort beginnt der Aufstieg zur Weißmieshütte unserem ersten Nachtlager am Fuss eines unseres Viertausenders. Aber erstmal wollen wir uns ja noch etwas aklimatisieren und dafür wollten wir nach unserem Aufstieg eigentlich gleich noch den Klettersteig auf das Jegihorn machen. Doch das Wetter durchkreutzt unsere Pläne. Wir verschieben die Tour auf den nächsten Morgen.
5.00 heißt es Aufstehen, denn wir haben einiges vor, zuerst der Klettersteig. Begleitet von ein paar jungen Steinböcken begeben wir uns zum Einstieg, legen unsere Gurte an und starten in das Vergnügen. Die Sonne hat wieder ihren Weg gefunden und versüßt uns diesen Morgen. Nur ein paar Wolken finden ab und zu ihren Weg aus dem Tal nach oben und sorgen für mystische Stimmung. Wir sind allein im Klettersteig und kraxeln zügig nach oben. Es beginnt sehr leicht, doch die Schwierigkeit steigert sich kontinuierlich nach oben und schon bald stehen wir vor einem Highlight der Tour, einer ca. 50m langen Hängebrücke rüber zu unserem heutigen Gipfel. MissB goes firts und ich folge hinterher. Gut, dass wir die Tour verschoben haben, denn bei dem Wind und Regen am Vortag hätte ich nicht auf dieser Brücke stehen wollen! Aber auch danach gehts ausgesetzt weiter an der Flanke des Jegihorns entlang, steil nach oben bis wir schließlich den höchsten Punkt erlangen. 3206m. Der höchste Klettersteig der Schweiz geschafft. Danach folgt noch der steile Abstieg über Felsblöcke und pünktlich um 11 Uhr sind wir zurück an der Hütte.
Doch das war ja nur der erste Teil des Tages. Mit dem Großen Gepäck gehts nochmal los zur nächsten Berghütte, der Almagellerhütte. Wir folgen dem Höhenweg in Richtung Almagelleralp vorbei an einem traumhaften Natursteingarten, immer unter Beobachtung der Berggiganten um uns herum. An der Alp gibts dann die letzte Pause vor dem finalen Anstieg zur Hütte. Wir sind schon ganz schön platt, der Tag hatte es in sich und so müssen wir uns Stück für Stück nach oben kämpfen. Wenigstens Edelweiß und junge Steinböcke lassen kurz die Anstrengung vergessen und dann ist sie endlich zu sehen, unsere Hütte. Endlich können wir die schweren Rucksäcke absetzten und uns etwas entspannen.
Die Hüttencrew versorgt uns mal wieder vom feinsten, was auch nötig ist, denn wir müssen unsere Akkus dringend aufladen für den nächsten Tag. Der erste Viertausender steht an. Jetzt fehlt nur noch eine gute Nachtruhe, doch irgendjemand schließt das Fenster im Matratzenlager wodurch es einfach nur unerträglich heiß wird in dem kleinen Raum. Ich kann kaum schlafen und wälze mich die ganze Nacht nur noch hin und her. Zum Glück ist die Nacht eh um 4:00 Uhr vorbei und wir können zum Frühstück gehen. Eine Stunde später stehen wir bereits vor der Hütte und es geht los Richtung Weißmies. Wir wollen die Route über den Westgrat/Rotgrat machen. Scheinbar immernoch ein Geheimtip, denn außer uns sind nur noch zwei Andere in diese Richtung unterwegs.
Nach dieser Nacht genießen wir die frische kühle Morgenluft und wandern über ein langes Blockfeld, passieren ein großes Schneefeld mit Steigeisen und gelangen so an den Einstieg zur Kletterei auf den Grat. Also Gurt an, Seil raus und los gehts. Die 4 Seillängen bringen wir mit wechselnder Führung hinter uns und erreichen so den Westgrat. Diesem müssen wir nun immer weiter folgen. Mit ein paar Bandschlingen sichern wir uns an Felszacken und klettern immer weiter nach oben, bis der Felsgrat zu einem Schneegrat wird. Von da an gehts mit Steigeisen und Eispickeln weiter bis auf den Gipfel des Rottalhorns (3815m). Von hier geht es nun weniger steil hinauf zum Weissmies, doch die 200 Höhenmeter wollen auch noch gelaufen werden und die Höhe tut ihr übriges. Doch die Puste reicht noch und so erreichen wir leicht verspätet den Gipfel des Weissmies (4017m) und feiern unseren ersten Viertausender. Woohoo! Gar nicht mal so mies hier oben!
Am Ende war die Route über den Rotgrat anspruchsvollfürs erste Mal 4000. 
Wir sind ganz allein auf dem Gipfel und freuen uns über den Ausblick und das Geschaffte. Doch wie immer, wenn man auf einem Berg steht, war das nur der erste Teil. Der Abstieg steht noch bevor und wird mit Sicherheit nicht einfach. Konzentriert bleiben und kontrolliert absteigen. Immer wieder bieten sich auch Momente zum inne halten, zum Beispiel als bereits auf 3900m direkt vor uns ein Steinadler seine Kreise zieht und sich hinter uns ein Steinbock den Weg über das Schneefeld kämpft um dann in der steilen Felsflanke zu verschwinden. Und auch wir kämpfen uns den Grat weiter hinab. Der beste Weg ist von oben nicht immer leicht zu finden und schließlich kommen wir etwas zu weit ab und landen im Schneefeld. Die Sonne hat mittlerweile ihr Arbeit getan und den Schnee aufgeweicht. Darin vorwärts zu kommen ist nicht so leicht, immer wieder brechen wir bis zur Hüfte ein. MissB verliert sogar mal ihren Schuh als dieser tief im Firn stecken bleibt. Also zurück auf den Grat und dort weiter hinab bis es nicht mehr geht und wir zurück in den Schnee müssen. Dieses mal aber mit neuer Taktik, die ich bei anderen beobachtet habe. Wir stülpen unsere Regenhüllen über unsere Rucksäcke, setzten uns auf sie drauf und rodeln wie auf Schlitten ins Tal hinab. Die Steuerung ist gar nicht so easy, aber dafür vergessen wir für eine Weile die Anstrengung. Und so gelangen wir nur 12 Stunden später wieder zu unserer Hütte und können wieder etwas entspannen.
Der nächste Morgen hält ein wenig Regen für uns bereit, doch da wir heute nur zurück wandern zur Weissmieshütte, können wir abwarten bis es fast aufhört. Dann sagen wir Tschüß und Danke Almgellenhütte und starten unseren Rückweg.
Wir erwischen ein gutes Wetterfenster und geniessen den Rückweg vorbei an den pflanzenreichen Berghängen. Trotz reichlich Pausen schaffen wir es noch vorm nächsten Regenguss in die Bergstation Kreuzboden, wo wir bei selbst aufgepimpten Nudel mit Würstchensoße und alkoholfreiem Most dem Regen von innen zuschauen. Danach gehts halbwegs trocken hinauf zur Weissmieshütte. Die Aufregung vom Vortag hat mittlerweile nachgelassen. Wir waren uns erst nicht ganz sicher ob wir noch einen 4000er probieren wollen, doch entscheiden uns schließlich dafür. Nach sehr guter kulinarischer Stärkung in der Hütte und einem passablem Nachtschlaf, heißt es also nochmal vier Uhr aufstehen für das Lagginhorn.
Mit Stirnlampen starten wir eine Stunde später in Richtung Gipfel. Die Routenführung ist dieses mal etwas einfacher, den langen Westgrat hinauf und den gleichen Weg wieder hinunter. Angekommen am Grateinstig folgen wir den gelben Markierungen und kraxln stetig hinauf. Wir kommen sehr gut voran und schon bald ist der Grat von Schnee bedeckt. Wir legen Steigeisen und Gurte an, holen unsere Eispickel raus und im Zickzack geht es weiter hinauf. Der Grat wird immer steiler und ich beginne mit den Steigeisen Tritte in die harte Schneedecke zu schlagen, das Eispickel im Schnee zu versenken und MissB daran gesichert nachzuholen. Ein weiteres Pärchen gesellt sich zu uns und so klettern wir zu viert zu unserem 2ten Viertausender hinauf, dem Lagginhorn (4010m). Woop Woop Woop!
Auch beim Abstieg tun wir uns zusammen und sichern uns so die steile Schneepassage hinab, bis wir schließlich Steine unter den Füssen haben und von da an den Grat wieder hinabklettern können. An der Hütte treffen wir uns dann noch auf ein Getränk. Wir bleiben noch eine Nacht auf der Hütte bevor wir ins Tal hinabsteigen, ein kleines Essensgelage abhalten und am Ende wieder mit Bus und Nachtzug nach Hause fahren.

 Danke Saastal und Tschau Steinböcke! 
es war sehr sehr schön bei euch !