Dienstag, 25. Oktober 2022

The Train Trilogy - Part One - von Dresden nach Arles

Und nun war es soweit, unser erster Urlaub ohne unsere geliebte Kira stand bevor. Sie war stets unsere treue Begleiterin, hat jeden Urlaub immens bereichert, immer fuer Action gesorgt, war bei jedem Spass vorne dabei und auch wenns mal schwierig wurde konnte man sich immer auf sie verlassen. 
Du wirst uns immer begleiten, wo es auch hingeht!
und doch fehlst du uns jeden Tag.
 
Was Kira wohl gemeint haette zu unserer Idee dieses Jahr 2 Monate mit oeffentlichen Verkehrsmitteln Urlaub zu machen? Wahrscheinlich haette sie uns fuer bekloppt erklaert und wie immer haette sie Recht gehabt!
Trotzdem, der Plan stand fest.  Mit dem Zug solltes bis nach Spanien gehen. Doch um schon mal ein Gefuehl dafuer zu bekommen, wie Zugreisen so sind, gab es vorher noch einen kleinen Testlauf...

der Testlauf - Königshain

Ein verlaengertes Wochenende in den Koenigshainer Bergen sollte als Probefahrt dienen. Gut eine Stunde Zugfahrt stand uns bevor. Eine Stunde dir wir letztlich Stehend in einem voellig ueberfuellten Zug verbringen, mit unseren Fahrraedern und grossen Rucksaecken. Ein erstes Zeichen,das Reisen im Zug vielleicht nicht ganz so romantisch werden wird, wie gedacht? Aber seis drum. Ein schoenes Wochenende folgte. In einem privaten Garten schlugen wir unser Zelt auf und mit dem Bike gings in den Steinbruch zum klettern und zur Besichtigung des alten Bergwerks! Ein wunderbarer Kurztrip.
looking for Honey?
Symbolbild Bahnreisen
gleich und doch verschieden

Doch nun wurde es ernst! Mit unseren InterRailTickets in der Hand gings Ende Juli Richtung Bahnhof Dresden-Neustadt. Die Sachen fuer zwei Monate in die Rucksaecke gestopft, ein grosser auf dem Ruecken und ein kleiner auf dem Bauch. Voller Vorfreude, dass es endlich losgeht, betreten wir den Bahnhof und wollen unseren ersten Zug nach Leipzig nehmen. Beim Blick auf die Anzeige fragt mich Miss B warum unser Zug weiss markiert ist. Die Antwort ergibt sich von selbst als wir der Anzeigetafel naeher kommen: "Zug faellt aus" steht da. Na das geht ja gleich mal richtig gut los. Wir planen um und statt gemuetlich im IC zu sitzen, stehen wir wieder in einem voellig ueberfuellten Regionalzug nach Leipzig. Woher kommt mir diese Situation nochmal bekannt vor? Naja, wenigstens bekommen wir unseren Anschlusszug nach Ulm, wo wir abends ankommen und unser Zelt direkt in der City beim Kanuverein aufstellen. 

 Blaubeuren und die Hoehlen

Die ersten Tagen, werden von uns gleich voll genutzt. Hike and Climb ist das Motto des ersten Ausflugs. Mit der Bahn gehts morgens von Ulm nach Blaubeuren und wir wandern vorbei an einigen Klettermassiven an denen wir erste Routen klettern und uns versuchen an Kalkstein zu gewoehnen. Nebenbei besichtigen wir die "kuessende Sau", ein Felsen in der Optik von zwei sich kuessenden Schweinen. Danach wandern wir weiter zum Blautopf einem Markenzeichen der Region.

küssende Säue...

...und blaue Töpfe

Ein weiteres Markenzeichen der Region sind die zahlreichen Hoehlen. Und da sich Miss B schon laenger gewuenscht hat mal eine davon anzuschauen, setzten wir das am folgenden Tag direkt in die Tat um. Mit ausgeliehenen Fahrraedern geht es vorbei an der Sontheimer Hoehle, welche geschlossen ist, zur Tiefenhoehle, die wir auf eigene Faust erkunden koennen. Eine  kleine Runde durch dunkle Abgruende. Im Anschluss wird nochmal das Seil ausgepackt um die letzten Routen zu klettern.

von ganz unten...

...gehts nur noch nach oben
 
 Am naechsten Morgen ging es dann wieder ab zum Bahnhof und weiter ueber die Grenze nach Frankreich fuer einen kurzen Stop in den noerdlichen Vogesen.

Almost like Home - die Vogesen

Ein Sandsteingebiet auf unserem Weg lassen wir uns natuerlich nicht entgehen, weshalb wir auf dem Campingplatz Heidenkopf in Niederbronn-les-Baines einchecken und fuer 3 Tage die Vogesen erkunden wollen. Zu Fuss vom Zelt erreichen wir den Heidenkopf Steinbruch, wo wir klettern was das Zeug haelt. Der rote, feinporige und feste Sandstein und die Sportkletterabsicherung kommen uns sehr entgegen und motivieren auch mal in Grenzbereiche zu gehen.
Eine, am Ende nicht ganz so kleine, Wanderunde zum Chateau Windstein folgt tags darauf.
Chateau Windstein

die neuen Besitzer des Chateau
 
Mountainbikes sind leider alle ausgebucht und die Moeglichkeit ein MTB-Tandem auszuleihen, lehnen wir dankend ab. Statt dessen planen wir die Weiterreise, denn bis nach Spanien ists noch ein ganzes Stueck! 
Next Stop: Pilat. Aber erstmal hinkommen...

Am Ufer der Rhone - Pilat 

Die Weiterreise sollte sich jedoch erstmal als Chaostag herrausstellen. Schienenersatzverkehr von Niederbronn. Eigentlich sollte dieser vom Bahnhof starten, doch die franzoesische Bahngesellschaft hat sich gedacht die Haltestelle etwas weiter weg zu verlegen und dafuer nur einen ganz winzig kleinen Hinweis in der letzten Ecke des Bahnhofs zu hinterlassen. Natuerlich nur auf Franzoesisch damit es auch nicht zu leicht wird fuer fremdsprachige Reisende. Jedenfalls verpassen wir unseren Bus, obwohl wir mehr als rechtzeitig am Bahnhof sind. Darauf folgt ein sehr langes, kompliziertes Telefonat um unsere Reservierungen fuer den TGV umzubuchen, denn trotz Interrailtickets muss man in Frankreich zusaetzlich Sitzplaetze fuer die Schnellzuege reservieren. Schafft man also seinen Anschluss nicht, faengt man an seine komplette Strecke umzubuchen. Ein sehr nerviges Prozedere, welches uns nicht das letzte Mal begegnen sollte! Seis drum. Wir erreichen irgendwie spaet am Abend Lyon, wo wir feststellen muessen das unser Zug nach Saint-Claire-Du-Rhone nicht mehr faehrt. Dieses mal ein Fehler unsererseits, beim Suchen der Verbindung haben wir uebersehen das dieser Zug so spaet nur am Wochenende faehrt und es ist natuerlich Wochentag. Keine Chance noch weiterzukommen ausser mit dem Taxi. Ach ja und der Zeltplatz will uns auch um 23Uhr nicht mehr reinlassen!
Eine Taxifahrt und eine Stunde spaeter, sowie 90Euro aermer erreichen wir Saint-Claire und Miss B hat ueber AirB&B ein Hausboot klar gemacht auf dem wir einchecken. Geschafft!!! Was fuer eine Odyssee.
 
eine Nacht in der Kapitänskajüte

ein Trauerschwan

Blick vom Mont Monnet
 
Endlich angekommen und das Zelt aufgebaut, koennen wir uns sinnvollen Dingen widmen und zwar was fuer Touren wir machen wollen. Leider sind wieder alle Mountainbikes verliehen und der Versuch mit den Stadtraedern die MTB-Tour zu fahren scheitert bereits im Ansatz. Also wird es eine gemuetliche Radrunde entlang der Rhone auf dem gleichnamigen Radweg. Aber etwas hoeher hinaus wollen wir trotzdem. Dann also zu Fuss auf den Mont Monnet. Das schoene an dieser Rund neben dem Ausblick vom Gipfel ins RhoneTal und bis in die franzoesischen Alpen, sind die vielen kleinen Koestlichkeiten am Wegesrand. Wir stopfen uns voll mit Brombeeren, Pfirsichen, Weintrauben und Birnen. Noch nie sind wir so satt von einer Wanderung zurueckgekehrt!
Nun stand die kurze Weiterreise nach Ardeche an, die bis auf das wir 2Stunden auf unseren Bus warten muessen, weil dieser im Stau steht, recht unspektakulaer bleibt. Ich bin gespannt wie es in der Ardeche wird, da ich als kleiner Monk schon mal dort war. Damals noch mit meinen Eltern.
Wir nutzen den kostenlosen Pendelbus in die Ardecheschlucht um zum Zeltplatz unserer Wahl zu gelangen. Waehren der Busfahrt bewundern wir die steilen Waende und Felsgebilde der Schlucht. Negativ faellt uns leider der ueppige Verkehr auf. Endlose Autos und Motorraeder schleppen sich hupend durch diesen Naturpark. Ein sehr seltsamer Anblick. Auch der Zeltplatz, den wir schliesslich erreichen, ist ueberfuellt mit saufenden Prolls und Spasstouristen. Laute Musik an jeder Ecke. Ist das die Art wie man mit so einem wunderbaren Fleckchen Erde und seinen Bewohnern umgehen sollte? Wir finden Nein! 
Aber jetzt sind wir hier und wollen zumindest ein wenig klettern gehen. Denn dafuer ists hier richtig gut. Unsere Tage beginnen sehr zeitig morgens, bevor alle anderen aufstehen, mit Yoga und Fruehstueck am Ufer der Ardeche. Danach verschwinden wir zum Klettern. Auch Mountainbikes sind dieses mal verfuegbar und wir koennen unsere erste Tour fahren,allerdings bei fast 40 Grad. Zurueck kommen wir von den Ausfluegen recht spaet um den ganzen Trubel am Zeltplatz zu umgehen und dann ist es am Flussufer auch wieder recht leer. So arrangieren wir uns erstmal ganz gut mit der Situation und das Klettern und Biken macht auch sehr viel Spass. Ganz wunderbar ist auch der Bioladen etwas ausserhalb der Stadt, der uns mit leckeren Dingen versorgt und fuer mich auch das beste Orangensorbeet hat, das ich jemals verdrueckt habe.
le Gorge de l'Ardeche in einem ruhigen Moment
eine Sattelschrecke
im Schatten lässt sichs climben
Bon Nuit Ardeche
 
Irgendwann haben wir allerdings doch die Schnauze voll vom nervigen Zeltplatz und satteln nochmal um, vorbei an Rauchsaeulen von Waldbraenden, ins kleine mittelalterliche Oertchen Balazuc. Deutlich ruhiger, gefaellt es uns dort schon viel besser. Leider hat sich Miss B einen Infekt zugezogen und wir lassen es etwas ruhiger angehen. Wir besuchen das autarke Dorf Vieil Audon,gehen baden, lesen am Ufer der Ardeche und geniessen Salat Merli Merlot im Retaurante. (Ein Salat der fast komplett aus verschiedenen Melonen besteht). Die liebe Miss B sichert mich noch ein paar Routen und dann heisst es Au Revoir Ardeche, wir wuenschen dir einen sanfteren Tourismus!
 
auf den Dächern von Balazuc
endlich mal kein Kanu im Weg
zu feige zum Ernten der Kaktusfeige?
unterm Zelt: im Loch ein Skorpion daneben Riesenpinne
 
Wir quetschen unser Zeug ein weiteres mal in einen Bus und dann in den Zug und setzten unsere Reise fort. Es geht nach Arles am Rande der Carmaque. Eine Kuenstlerstadt und unser letzter Stop bevor wir die Pyraeneen erreichen.

die große Ebene - Carmaque & Arles

Voll motiviert, uns das Wildlife anzuschauen, mieten wir uns Fahrraeder auf unserem City-Campingplatz und starten unsere Runde in Richtung Carmaque. Unsere Bikes sind etwas speziell, nur ein Gang und die Bremsen mit eher homoepatischer Wirkung, aber ansonsten durchaus ein "Hingucker".

"ein heißer Ofen, hauptsache schnell..."
(Casanovas Schwule Seite - Höllenfeuerlicht)

Zum Glueck gehts immer flach hin und in einem Anfall von Wahnsinn entscheiden wir uns fuer eine ziemlich grosse Runde mit kurzem Badestop am Mittelmeer. Am Ende sind wir mit den ollen Karren 94km gefahren und ganz schoen fertig als wir wieder am Zeltplatz in Arles ankommen. Gelohnt hat sich der Ausflug aber sehr, wurden wir doch mit einer bizarren und doch wunderschoenen Landschaft, hunderten Flamingos und vielen anderen Seevoegeln, schwarzen Rindern und natuerlich weissen halbwilden Carmaque-Pferden fuer unsere Anstrengungen entschaedigt.
 
pink und stylisch - Flamingos

flach, flacher, Carmaque

wild Horses running round and round

one of your legs is not available
 
So dass war Teil 1 unserer Reise.
Teil 2 - die Pyrenaeen folgt bald... bis dahin
Tschau sagen Miss B & Monk