Dienstag, 2. September 2025

4000

 Ain't no Mountain high enough

 Auf dem Weg zum Viertausender

Switzerland, Wallis, Saastal 

MissB hatte mal wieder eine verrückte Idee. Warum nicht mal einen Viertausender besteigen, immerhin waren wir beide noch nie auf einem. Und so entstand ganz schnell ein Urlaubsplan. Die Recherche begann, ein Zeitraum wurde festgelegt und nach einer Weile war klar, wir gehen auf Big Mountain Expedition. Nach etwas stöbern in Literatur und im Netz wird das Saastal in der Schweiz als Ziel auserkohren, denn da gibts Viertausender, die auch für uns ganz gut machbar sein sollen. Unsere Wahl fällt auf den Weißmies und das Lagginhorn. Ich buch die Hütten, MissB den Zug, fehlendes Equipment wird besorgt, der Plan wird genauer ausgeschmiedet und plötzlich ist schon Juni und der Urlaub steht vor der Tür.

Also reingehüpft in den Nachtzug und schon eine Nacht und einen halben Tag später, stehen wir im Saastal. Bis wir in unsere Bude einziehen können, ist noch etwas Zeit und so erkunden wir die Gegend rund um Saas-Fe und lassen es uns gut gehen.

Tags darauf steht dann unsere erste Wanderung an, um uns einzulaufen und die erste Höhenluft zu schnuppern. Gleich hinter unserer Wohnung gehts hinauf zum Mellig mit kurzem Getränkestopp am Hannig. Umringt von 4000er Bergen und direktem Blick zu unseren Projekten, ensteht auch langsam etwas Aufregung und Spannung, ob das alles so funtionieren wird wie wir uns das vorgestellt haben. Doch für heute geniessen wir erstmal Panorama, Flora & Fauna!

 
Eine wunderschöne erste Tour, der perfekte Einstand und genau richtig um reinzukommen. Abends packen wir dann noch unsere großen Rucksäcke, denn am nächsten morgen gehts mit dem Bus nach Saas-Grund, denn dort beginnt der Aufstieg zur Weißmieshütte unserem ersten Nachtlager am Fuss eines unseres Viertausenders. Aber erstmal wollen wir uns ja noch etwas aklimatisieren und dafür wollten wir nach unserem Aufstieg eigentlich gleich noch den Klettersteig auf das Jegihorn machen. Doch das Wetter durchkreutzt unsere Pläne. Wir verschieben die Tour auf den nächsten Morgen.
5.00 heißt es Aufstehen, denn wir haben einiges vor, zuerst der Klettersteig. Begleitet von ein paar jungen Steinböcken begeben wir uns zum Einstieg, legen unsere Gurte an und starten in das Vergnügen. Die Sonne hat wieder ihren Weg gefunden und versüßt uns diesen Morgen. Nur ein paar Wolken finden ab und zu ihren Weg aus dem Tal nach oben und sorgen für mystische Stimmung. Wir sind allein im Klettersteig und kraxeln zügig nach oben. Es beginnt sehr leicht, doch die Schwierigkeit steigert sich kontinuierlich nach oben und schon bald stehen wir vor einem Highlight der Tour, einer ca. 50m langen Hängebrücke rüber zu unserem heutigen Gipfel. MissB goes firts und ich folge hinterher. Gut, dass wir die Tour verschoben haben, denn bei dem Wind und Regen am Vortag hätte ich nicht auf dieser Brücke stehen wollen! Aber auch danach gehts ausgesetzt weiter an der Flanke des Jegihorns entlang, steil nach oben bis wir schließlich den höchsten Punkt erlangen. 3206m. Der höchste Klettersteig der Schweiz geschafft. Danach folgt noch der steile Abstieg über Felsblöcke und pünktlich um 11 Uhr sind wir zurück an der Hütte.
Doch das war ja nur der erste Teil des Tages. Mit dem Großen Gepäck gehts nochmal los zur nächsten Berghütte, der Almagellerhütte. Wir folgen dem Höhenweg in Richtung Almagelleralp vorbei an einem traumhaften Natursteingarten, immer unter Beobachtung der Berggiganten um uns herum. An der Alp gibts dann die letzte Pause vor dem finalen Anstieg zur Hütte. Wir sind schon ganz schön platt, der Tag hatte es in sich und so müssen wir uns Stück für Stück nach oben kämpfen. Wenigstens Edelweiß und junge Steinböcke lassen kurz die Anstrengung vergessen und dann ist sie endlich zu sehen, unsere Hütte. Endlich können wir die schweren Rucksäcke absetzten und uns etwas entspannen.
Die Hüttencrew versorgt uns mal wieder vom feinsten, was auch nötig ist, denn wir müssen unsere Akkus dringend aufladen für den nächsten Tag. Der erste Viertausender steht an. Jetzt fehlt nur noch eine gute Nachtruhe, doch irgendjemand schließt das Fenster im Matratzenlager wodurch es einfach nur unerträglich heiß wird in dem kleinen Raum. Ich kann kaum schlafen und wälze mich die ganze Nacht nur noch hin und her. Zum Glück ist die Nacht eh um 4:00 Uhr vorbei und wir können zum Frühstück gehen. Eine Stunde später stehen wir bereits vor der Hütte und es geht los Richtung Weißmies. Wir wollen die Route über den Westgrat/Rotgrat machen. Scheinbar immernoch ein Geheimtip, denn außer uns sind nur noch zwei Andere in diese Richtung unterwegs.
Nach dieser Nacht genießen wir die frische kühle Morgenluft und wandern über ein langes Blockfeld, passieren ein großes Schneefeld mit Steigeisen und gelangen so an den Einstieg zur Kletterei auf den Grat. Also Gurt an, Seil raus und los gehts. Die 4 Seillängen bringen wir mit wechselnder Führung hinter uns und erreichen so den Westgrat. Diesem müssen wir nun immer weiter folgen. Mit ein paar Bandschlingen sichern wir uns an Felszacken und klettern immer weiter nach oben, bis der Felsgrat zu einem Schneegrat wird. Von da an gehts mit Steigeisen und Eispickeln weiter bis auf den Gipfel des Rottalhorns (3815m). Von hier geht es nun weniger steil hinauf zum Weissmies, doch die 200 Höhenmeter wollen auch noch gelaufen werden und die Höhe tut ihr übriges. Doch die Puste reicht noch und so erreichen wir leicht verspätet den Gipfel des Weissmies (4017m) und feiern unseren ersten Viertausender. Woohoo! Gar nicht mal so mies hier oben!
Am Ende war die Route über den Rotgrat anspruchsvollfürs erste Mal 4000. 
Wir sind ganz allein auf dem Gipfel und freuen uns über den Ausblick und das Geschaffte. Doch wie immer, wenn man auf einem Berg steht, war das nur der erste Teil. Der Abstieg steht noch bevor und wird mit Sicherheit nicht einfach. Konzentriert bleiben und kontrolliert absteigen. Immer wieder bieten sich auch Momente zum inne halten, zum Beispiel als bereits auf 3900m direkt vor uns ein Steinadler seine Kreise zieht und sich hinter uns ein Steinbock den Weg über das Schneefeld kämpft um dann in der steilen Felsflanke zu verschwinden. Und auch wir kämpfen uns den Grat weiter hinab. Der beste Weg ist von oben nicht immer leicht zu finden und schließlich kommen wir etwas zu weit ab und landen im Schneefeld. Die Sonne hat mittlerweile ihr Arbeit getan und den Schnee aufgeweicht. Darin vorwärts zu kommen ist nicht so leicht, immer wieder brechen wir bis zur Hüfte ein. MissB verliert sogar mal ihren Schuh als dieser tief im Firn stecken bleibt. Also zurück auf den Grat und dort weiter hinab bis es nicht mehr geht und wir zurück in den Schnee müssen. Dieses mal aber mit neuer Taktik, die ich bei anderen beobachtet habe. Wir stülpen unsere Regenhüllen über unsere Rucksäcke, setzten uns auf sie drauf und rodeln wie auf Schlitten ins Tal hinab. Die Steuerung ist gar nicht so easy, aber dafür vergessen wir für eine Weile die Anstrengung. Und so gelangen wir nur 12 Stunden später wieder zu unserer Hütte und können wieder etwas entspannen.
Der nächste Morgen hält ein wenig Regen für uns bereit, doch da wir heute nur zurück wandern zur Weissmieshütte, können wir abwarten bis es fast aufhört. Dann sagen wir Tschüß und Danke Almgellenhütte und starten unseren Rückweg.
Wir erwischen ein gutes Wetterfenster und geniessen den Rückweg vorbei an den pflanzenreichen Berghängen. Trotz reichlich Pausen schaffen wir es noch vorm nächsten Regenguss in die Bergstation Kreuzboden, wo wir bei selbst aufgepimpten Nudel mit Würstchensoße und alkoholfreiem Most dem Regen von innen zuschauen. Danach gehts halbwegs trocken hinauf zur Weissmieshütte. Die Aufregung vom Vortag hat mittlerweile nachgelassen. Wir waren uns erst nicht ganz sicher ob wir noch einen 4000er probieren wollen, doch entscheiden uns schließlich dafür. Nach sehr guter kulinarischer Stärkung in der Hütte und einem passablem Nachtschlaf, heißt es also nochmal vier Uhr aufstehen für das Lagginhorn.
Mit Stirnlampen starten wir eine Stunde später in Richtung Gipfel. Die Routenführung ist dieses mal etwas einfacher, den langen Westgrat hinauf und den gleichen Weg wieder hinunter. Angekommen am Grateinstig folgen wir den gelben Markierungen und kraxln stetig hinauf. Wir kommen sehr gut voran und schon bald ist der Grat von Schnee bedeckt. Wir legen Steigeisen und Gurte an, holen unsere Eispickel raus und im Zickzack geht es weiter hinauf. Der Grat wird immer steiler und ich beginne mit den Steigeisen Tritte in die harte Schneedecke zu schlagen, das Eispickel im Schnee zu versenken und MissB daran gesichert nachzuholen. Ein weiteres Pärchen gesellt sich zu uns und so klettern wir zu viert zu unserem 2ten Viertausender hinauf, dem Lagginhorn (4010m). Woop Woop Woop!
Auch beim Abstieg tun wir uns zusammen und sichern uns so die steile Schneepassage hinab, bis wir schließlich Steine unter den Füssen haben und von da an den Grat wieder hinabklettern können. An der Hütte treffen wir uns dann noch auf ein Getränk. Wir bleiben noch eine Nacht auf der Hütte bevor wir ins Tal hinabsteigen, ein kleines Essensgelage abhalten und am Ende wieder mit Bus und Nachtzug nach Hause fahren.

 Danke Saastal und Tschau Steinböcke! 
es war sehr sehr schön bei euch !

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