Montag, 28. November 2022

The Train Trilogy - Part Two - die Pyrenäen

 ...und weiter gehts.

Nach nur einem Tag in Arles ziehen wir aufgrund der schlechten Wetterprognosen weiter. Eines unserer Hauptziele wartet auf uns, die Pyrenaeen. Mit dem Zug gehts weiter nach Narbonne, wo wir direkt erstmal wieder stecken bleiben. Der naechste Schnellzug hat zwar noch Platz, aber das Kontingent fuer Interrailtickets ist bereits voll. Ja, ihr habt richtig gehoert, es gibt ein Kontingent fuer dieses Ticket. Das haetten wir auch gern eher gewusst! Uns reichts erstmal, wir beschliessen der Bahn vorerst den Ruecken  zu kehren und begeben uns auf die Suche nach einem Mietwagen. Beim dritten Anbieter werden wir fuendig und so bekommen wir "Bonzi", wie wir unseren fahrbaren Untersatz fuer die naechsten 2 Wochen taufen.

brummli, brummli, brummli, brummli...


Wir duesen los. Direkt nach dem Parkplatz, an der ersten Kreuzung, halte ich an einer gruenen Ampel, um ein Rettungsfahrzeug mit Sirene und Blaulicht vorbei zu lassen. Die Fahrer*innen im Auto hinter uns sind leider nicht ganz so aufmerksam. Bumms! Auffahrunfall nach nur einer Minute fahrt. Wenns einmal laeuft, dann laeufts! Zum Glueck ist Bonzi so gut wie unbeschadet und wir koennen unseren Weg unmittelbar fortsetzten. Nach kurzer Zwischenuebernachtung, erreichen wir am Tag darauf Bielsa auf der spanischen Seite der Pyrenaeen, ein kleines Oertchen am
Nationalpark Ordesa y Monte Perdido. Hier auf der Suedseite des Gebirges soll es die naechsten Tage sonnig bleiben. Also gute Bedingungen fuer eine erste Gipfeltour!

Ordesa y Monte Perdido

Und die starten wir direkt am naechsten Morgen. Den Monte Perdido im Ruecken, machen wir uns auf, vorbei an den Lagos de la Munia, zu Miss B's erstem Dreitausender, dem Pico de Rubinera. Eine wunderschoene erste Tour, gekroent mit dem Ausblick vom 3003m hohen Gipfel und vorbeifliegenden Geiern.

kurze Pause vorm steilen Anstieg

der Pico de Rubinera in Sicht...
...und der Blick zurück Richtung Monte Perdido

Gipfelpanorama mit den Lagos de la Munia

die Murmeltierwachen behalten uns immer im Auge

die Sonne geht...
und die Schatten werden länger und länger...

Als wir die Runde schliesslich beenden, daemmert es bereits. Ups, dann ist es wohl doch gleich eine zehnstuendige Tour geworden. Recht ambitioniert fuer den Anfang. Unsere Beine tun auch dem entsprechend weh und wir sind ganz schoen platt. Zeit fuer eine kleine Pause.

Nach einem Tag lesen am Pool, bekommen wir Lust in die Pedalen zu treten. Eigentlich wollen wir eine MTB-Runde bei Panticosa machen, doch dort gibt es leider nur E-Mountainbikes im Angebot. Shame on you. Wir haben zwar sehr viel Bock auf unsere ausgesuchte Tour, wollen aber auch nicht unsere Prinzipien uebergehen. Wir lassen die Tour sausen und versuchen unser Glueck nochmal auf franzoesischer Seite in Laruns. Mit Erfolg! Das kleine fahrradverrueckte Oertchen hat klassische MtBs zu verleihen und das nutzen wir natuerlich fuer eine Runde im Pyrenaeen Nationalpark.

Laruns und der Pyrenäen Nationalpark

Man merkt sofort hier ist was anders. Der Fahrradwahnsinn zeigt sich an allen Ecken und Enden, ueberall strampeln sich Menschen jeden Alters die Serpentinen rund um den Ort hinauf und wieder hinunter, alles ohne E-Antrieb. Laruns ist Teil der Tour de France, radeln wird hier gelebt. Und auch wir bekommen das zu spueren als wir unsere Tour starten. Es geht direkt steil los durch kleine Gassen und wir werden immerwieder angefeuert. "Allez Allez" und "Courage" wird uns zugerufen, von Bauarbeitern beim Strassenbau oder auch Frauen die gerade Waesche aufhaengen. Ein Motivationsschub, den wir gut brauchen koennen, denn es geht bergauf, 1200 Hoehenmeter am Stueck. Eine schottrige Serpentine folgt der naechsten bis zum Col d'Agnoures. Dabei passieren wir mal wieder eine wunderschoene Bergkulisse aber auch eine Gang Geier die gerade die Reste einer verendeten Kuh zerlegt. Zuletzt geht es noch durch die Wolkendecke. Und als wir oben ankommen, befinden wir uns sogar ueber den Wolken. Zeit fuer eine kleine Rast, bevor es zur Abfahrt geht.

nur noch eine Serpentine...ich schwörs
natürliche Recyclingarbeiter
Radelpause mit Ausblick
jetzt aber wirklich, letzte Kurve
 
Der Abfahrtstrail hats dann in sich. Steile Haenge, nasse Wurzeln und enge Spitzkehren. Wir kaempfen uns hinab. Und zum Ende finden wir sogar unseren Flow und heizen bis ins Tal.
Am Tag darauf gehts dann auf Wanderrunde zum Pic Midi d'Ossau und um die Lacs d'Ayous. Meine Wunschroute. Die Tour ist etwas einfacher und kuerzer als letztes Mal, aber ebenso imposant, ist sie doch gepraegt vom beeindruckenden Gipfel des Pic Midi. Auch die zahlreichen Bergseen und Tiere machen diese Wanderung zum Erlebnis. Ueberall sind Ponys, Schafis und ein Muli, aber auch mehr Touris.
omnipresent: der Pic Midi d'Ossau

überall Ponys

Lac d'Ayou und mal wieder Pic Midi

auch für Schäfchen ist  noch Platz

der Pic Midi mal von ner anderen Seite :)
 
Doch auch diese Wandertour findet schliesslich ihr Ende und wir muessen "Au Revoir" sagen, beziehungsweise "Hola", denn es geht wieder auf die spanische Seite zu unserem letzten Ziel in den Pyrenaeen, fuer dieses Mal. Es geht auf nach Barruera und den Parc Nacional Aigueestortes i Estany de Sant Maurici, den ich ab jetzt nur noch mit Maurici NP abkuerzen werde!

Baruerra und der Aigueestortes i Estany de Sant Maurici Nationalpark 

Wir schlagen also unser Zelt in Baruerra auf, am suedwestlichen Rand des Parks und unterhalb des Cavallers Stausees. Zu diesem gehts auch gleich an unserem ersten Tag. Direkt neben der Staumauer gibt einige Sportkletterrouten in feinstem Granit und wir lassen uns ein paar davon nicht entgehen. Ein schicker Einstieg, der Lust auf mehr macht. Miss B macht natuerlich auch noch ein paar Mountainbikes fuer den naechsten Tag klar. Es geht also sportlich weiter. Keine Zeit zum Verschnaufen, denn das sind unsere letzten Tage in den Pyrenaeen und die wollen wir voll ausnutzen. Am naechsten Morgen gehts also los, wir holen die Bikes ab und duesen das Tal hinauf. Bei einer vermasselten Flussueberquerung hol ich mir gleich noch pitschnasse Fuesse. Egal, wegen sowas bricht man nicht ab! Der folgende Anstieg ist fuer uns etwas zu asphaltlastig, aber wir kaempfen uns durch und werden mit einer grossartigen Abfahrt belohnt. Erst gehts mit High Speed ueber breite Wege in Richtung Tal und dann folgt ein wunderbarer S3 Trail. Sehr anspruchsvoll, doch mit etwas Mut und bis auf wenige Einzelstellen, sehr gut fahrbar fuer uns. Wir sind auf jeden Fall geflasht! Zurueck am Campingplatz, schauen wir dann den Blitzen in den Bergen zu, denn ab jetzt ziehen abends immer wieder Gewitter heran. Schliesslich treibt uns der Regen in das kleine Lokal am Zeltplatz. Es werden munter Tische und Stuehle verrueckt und alle quetschen sich in den winzigen Raum. Wir geniessen die ausgelassene Stimmung und goennen uns noch lecker Veggie-Burger, Patatas Braves und Hummus. Dann ist's Zeit in den Schlafsack zu kriechen.
 
Wir lieben Platten!
the long Way down

Liegen Steine in deinem Weg...

...dann fahr einfach drüber!
 
Und dann wars soweit, unsere letzte Tour in den Pyraeneen stand bevor. Es geht nochmal rauf zum Cavallers-Stausee, wo wir unsere finale Wandertour starten. Es geht ins Vall de Comalesbienes, zu den Estanys de Comalesbienes und hinauf zum Punta Alta de comalesbienes. Die volle Kreativitaet bei der Namensgebung! Wir folgen dem steilen und, laut Warnschild, gefaehrlichen Anstieg die Schlucht hinauf. Mit Hilfe von EisenKetten queren wir aus der Schlucht hinaus und wandern schliesslich ueber riesige Blockfelder, in denen die Wegfindung gar nicht so einfach ist. Auf 2000m begruesst uns eine Kroete am Wegesrand. Wir vermuten eine neue Gattung, die Unkus Alpina, auch Alpinistenunke genannt. Nach genaueren Recherchen handelt es sich jedoch um eine Erdkroete, halt nur sehr weit oben. An den Comalesbienes-Seen angelangt gibts ne kleine Pause vorm letzten Gipfelanstieg. Doch gestaerkt, bewaeltigen wir auch diesen und stehen auf dem naechsten Dreitausender, dem Punta Alta de Comalesbienes mit 3014m, mit Blick bis zum Pico Aneto, dem Hoechsten Berg der Pyrenaeen.
 
Azalee de Comalesbienes

Heil der Hypnosekröte

Pausenplatz de Comalesbienes

wortwörtlich ein "Punta Alta"


Estany de la Roca

Wir kraxeln wieder vom Gipfel runter und machen uns auf den Rueckweg. Am Estany de la Roca angekommen, hoeren wir ein Rumpeln, das abendliche Gewitter zieht heran. Regen setzt ein, wir steigen um auf Regenklamotten und beginnen etwas schneller zu laufen mit dem Ziel das Refugi Ventosa i Calvell vorm Gewitter zu erreichen. Dort angekommen, stellen wir fest, dass das Refugi geschlossen ist. Viele Menschen quetschen sich in den Schutzraum. Da es noch immer nicht blitzt und donnert, beschliessen wir bis zum Auto weiterzuziehen! Der Maurici NP ist gepraegt von Wasser. Ueberall sind Seen, Baeche, Wasserfaelle. Der Regen hat mittlerweile alles in einen einzigen Wasserpark verwandelt, aus jeder Ecke, jedem Winkel stroemen Baeche und fliessen mit uns auf dem Wanderweg zurueck zum Stausee.

Am naechsten Morgen machen wir uns wieder auf nach Narbonne um unseren Mietwagen abzugeben. Wir fahren als Pyrenaeen-Fans, etwas wehmuetig das die 2 Wochen schon vorbei sind. Viel haben wir erlebt, vieles bleibt noch offen fuer naechstes Mal. Aber ein schoenes Ziel kommt ja noch in diesem Urlaub, mehr dazu dann in Teil 3!

"Bis dann" sagen Miss B & Monk

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