Freitag, 11. Oktober 2024

Ein Gebirge im Meer - This is Korsenstyle

Es ist schon wieder viel zu lange her und bevor die Details zu sehr verblassen, wird es Zeit unseren Sommerurlaub hier nochmal Revue passieren zu lassen. Also schön das ihr hier gelandet seid, um mich durch die Errinnerungen von dreieinhalb Wochen Korsika zu begleiten. Los gehts...

Wir starten Mitte Mai per Nachtzug nach Zürich, dann weiter nach Genua und von da aus per Fähre nach Bastia. Dort gelandet, nehmen wir sogleich unseren kleinen Mietwagen in Empfang, düsen erstmal los ins Landesinnere und machen es uns am Fuss der höchsten Gipfel der Insel gemütlich.

Wander-Warm Up !

Tags darauf machen wir eine kleine Eingewöhnungswanderrunde und umrunden den See von Calacuccia, bevor es ernst wird und wir uns an Korsikas höchstem Berg probieren, dem Monte Cintu. Dafür gehts nochmal zu einem Zeltplatz etwas weiter oben, nach Lozzi. Dort geniessen wir den Abend beim Woop Woop der Wiedehopfe und der Gesang der Zwergohreulen begleitet uns in den Schlaf. Am nächsten Morgen klingelt dann der Wecker um 5 Uhr zum Start unserer ersten großen Tour.

Monte Cintu - Peak Point von Korsika

Wichtige Grundregel bei großen Vorhaben? Genau. Schlepp nicht zu viel Scheiß mit dir rum.

 
Und auch wir starten mit kleinem Gepäck. Alles ist noch ruhig, nur ein paar Rothühner flattern ab und zu von uns aufgeschreckt durch die Gegend. Wir schlendern die sanft ansteigende Schotterstrasse hinauf, bevor es ernst wird und uns die gewaltige Flanke des Monte Cintu anschaut. Da müssen wir mitten durch! Ab jetzt wirds immer steiler und über Kletterpassagen und größere Schneefelder gehts immer weiter nach oben.

Und dann ist es soweit, nach circa 5 Stunden erreichen wir den höchsten Punkt der Insel. Die Freude ist riesig, hat unser erstes Großprojekt doch direkt geklappt. Umgeben von Steinriesen und der Blick bis zum Meer, Halbzeit einer sehr schönen Tour und Zeit für eine kleine Pause bevor es zum anspruchsvollen Abstieg weitergeht.
Wir nehmen eine andere Route als Rückweg. Über Schneefelder querend und Geröllfelder absteigend, geht es wieder hinunter. Der beste Weg ist nicht immer leicht zu finden. Es geht vorbei an korsischen Krokussen und korsischem Fettkraut, bis wir endlich wieder auf die Schotterstrasse vom Aufstieg treffen. Geschafft! Von hier aus ists nun ein Kinderspiel zurück zum Zelt, das wir nach über 10 Stunden wandern glücklich wieder erreichen.

Am nächsten Tag gehts dann Richtung Norden nach Ille-Roux und Calvi. Einerseits um einen Tag Regen zu überbrücken und uns zu erholen, andererseits um unsere erste Mountainbike-Tour zu machen.

Ille-Roux und Calvi

Am Regentag spazieren wir gemütlich an der Küste entlang ins Zetrum der kleinen Stadt Ille-Roux. Unser Weg führt uns vorbei an Teppichen von Mittagsblumen und Cistrosen, die ihren angenehmen Duft verbreiten. Im Ort angekommen, finden wir ein kleines schickes Lokal mit veganen Speisen für uns, was wir natürlich ausgiebig nutzen. Dann heißt es nochmal Regensachen überstreifen für den Rückweg.

In Calvi leihen wir uns am nächsten Tag MTBs aus und machen unsere erste Tour. Zuerst an der steilen Küste entlang bis zum Leuchtturm und danach gehts noch ins Landesinnere, vorbei am Kloster von Calvi, hinauf auf einen Berg zur finalen Trailabfahrt. Das Gelände ist anspruchsvoll, der Trail macht Spass, aber im unteren Teil holt sich die Maccia viel der Bikestrecke zurück. Wir müssen uns durch Büsche kämpfen, was den Flow beim Fahren schon ein wenig behindert. Allgemein merkt man, dass Mountainbiken auf der Insel kein allzu populärer Zeitvertreib ist und damit die Anzahl an Trails und Strecken eher gering ist. Wir sind trotzdem zufrieden und beenden die schöne Runde.

 
Für uns heißts dann erstmal, Tschau Küste. Es geht nochmal in die Berge ins Landesinnere, und zwar ins Restonica-Tal bei Corte, für eine Runde Sportklettern und eine 2-Tageswanderung.

Restonica

Ursprünglich als 3-Tagestour geplant, müssen wir unsere Pläne mit erreichen des Tales nochmal etwas ändern. Ein Sturm im Vorjahr hat die Strasse im oberen Teil des Restonicatales sowie einige Wanderwege zerstört. Auch unsere Tour ist davon betroffen. Wir planen also etwas um. Die Besteigung des Monte Rontondo fällt weg und es wird eine Zweitagestour. Ordentlich anspruchsvoll bleibt das ganze trotzdem, was wir bald schon merken werden. Wir wollen das gute Wetterfenster nutzen und starten gleich den nächsten Tag, dieses mal mit großem Gepäck. Ein Busshuttle bringt uns bis zum Ende der Strasse, ab da gehts dann zu Fuss weiter das Tal hinauf. Neben einer wunderschönen Pflanzenwelt können wir auch immer wieder sehen was der Sturm von der Strasse und ihren Brücken noch übrig gelassen hat. Nach circa 2 Stunden erreichen wir das ursprüngliche Ende der Fahrstrasse und die Bergerie de Grotelle. Mit einer Zitronenlimo, an dem sehr kleinen und charmanten Imbiss, erfrischen wir uns nochmal, bevor es zur Sache geht.    
Und der erste Anstieg lässt nicht lange auf sich warten. Ein kleines Stück auf dem Hauptwanderweg, doch dann biegen wir ab und sind sogleich in steilem verblocktem Gelände. Auch die Wegfindung wird ab hier zur Herrausforderung und immer wieder müssen wir uns neu orientieren und unseren Pfad suchen. Ab hier sind wir für den Rest des Tages allein unterwegs. Wir kommen ganz gut voran, kraxeln über kleine Kletterstellen, überwinden ein letztes steiles Schneefeld in das wir Stufen reintreten und erreichen somit den Col de Chiostru, unseren höchsten Punkt des Tages.

Nach einer Pause gehts auf der Rückseite dann genauso steil wieder bergab bis zum Lac de Goria. Wir folgen nun dem Flüßchen und seinen Wasserfällen hinab bis uns unsere Wege trennen und wir , dieses mal etwas gemächlicher, wieder aufsteigen zum Refuge de Manganu unserem Nachtlager. Zur Belohnung gibts dort erstmal eine Orangina, bevor wir unser Zelt aufbauen und uns verpflegen. Die Temperaturen gehen dann deutlich runter und wir verkriechen uns in unsere Schlafsäcke.
Der nächste Morgen überrascht uns mit Raureif, der unser Zelt überzieht. Schnelles Frühstück, schnell zusammenpacken und los gehts. Aufwärmen durch hochlaufen! Und schließlich schafft es auch die Sonne über die Berge und wärmt uns zusätzlich. Heute laufen wir ein Stück vom Weitwanderweg GR20, auf dem schon einiges mehr los ist an Wanderern. Zu Beginn erwartet uns ein längerer Anstieg bis hinauf in eine kleine Lücke in der massiven Bergkette, die Brèche de Capitellu. Dort angekommen geniessen wir den Blick über das obere Restonicatal mit den beiden Bergseen, Lac de Capitellu und Lac de Melu. Was folgt ist die wohl unangenehmste Passage der Tour. Es gilt ein Scheefeld zu traversieren, bei dem Abrutschen keine Option darstellt! Voll konzentriert bei jedem Schritt arbeiten wir uns vorwärts und lassen diesen gefährlichen Abschnitt hinter uns. Aufatmen, ab hier wird es wieder etwas entspannter und die Absturzgefahr deutlich geringer. Es geht weiter an einem Grat entlang und für uns wirds Zeit für eine Erholungspause.
In der Sonne an einen Stein gelehnt wollen wir ordentlich was futtern, doch unerwartet besuchen uns unsere Freunde von der Alpendohlenbande und wir sind umringt von 8 Flugakrobaten. Es bleibt aber friedlich und wir können gut gestärkt die Tour vortsetzen.

Es liegt noch ein gutes Stück weg vor uns. Wir schlängeln uns den Berg entlang, steigen nochmal ein Stück auf und müssen über ein großes Schneefeld laufen bis wir endlich die letzte Kreuzung vorm Abstieg zurück ins Restonicatal erreichen. Mittlerweile sind wir schon ganz gut erschöpft, aber die Energie um das nicht zu steile Schneefeld herunter zu schlittern haben wir noch. Doch dann hat der Spass ein Ende und es wird nochmal richtig steil. Konzentrieren und den richtigen Weg finden sind jetzt angesagt. Diese letzte Hürde nehmen wir auch und treffen wieder auf den Weg vom Anfang der Tour und steigen das Tal wieder hinab zum Bus, nicht ohne uns nochmal eine Orangina am Imbiss zu gönnen. Zufrieden und k.o. steigen wir in den Bus, düsen zurück zum Zeltplatz und beenden unsere Wanderung. Krasse Tour!

Zum Abschied vom Restonica geniessen wir noch ein paar Sportkletterrouten in der Sonne und bereiten uns so auf unser nächstes Projekt vor. Mehrseillängenrouten in Bavella im Süden der Insel stehen auf dem Programm.

 Bavella

Wir düsen los Richtung Süden. Das schöne auf dieser Insel ist unter vielem anderen, dass alles so nah beieinander ist. In nur gut anderthalb Stunden Autofahrt gelangen wir vom Restonica ins Bavella, das nächste wunderschöne Bergmassiv auf unserer Tour.
Mehrseillängentour Nummer 1 steht an. Im Trad-Stil, also keine Bohrkaken, sondern alles selber absichern. Unser Ziel, in vier Seillängen auf den Punta Calletta klettern. Sehr zeitig, noch vor allen anderen auf dem Zeltplatz, machen wir uns auf den Weg zu unserem Gipfel, welchen wir ohne Probleme finden. Wir behängen uns mit Material, Schlingen, Friends und Keilen und steigen ein. Miss B übernimmt den Vorstieg der ersten Seillänge und dann wechseln wir uns ab. Wir sind geflasht von den riesigen Felsformationen in der Wand, die von den Corsen Tafonies genannt werden. Schwierigkeitsmäßig ist diese erste Tour in unserem Wohlfühlbereich, so dass wir zügig voran kommen und noch vor dem Mittag den Gipfel erreichen. Sehr schöne Tour, großartiger Ausblick, perfekte Route zu Beginn um sich an die Kletterrei hier zu gewöhnen.
Zwei mal abseilen, zehn Minuten runterlaufen und schon sind wir zurück am Einstieg. Genug Zeit zum Futtern und das dazugehörige Nickerchen für Miss B und eine Eidechsenfotosession für mich.
Das nächste Projekt sollte dann nochmal deutlich anspruchsvoller werden. 500 zu kletternde Höhenmeter auf den Gipfel A Zucca in 12 Seillängen über den Arete Nord (Nordpfeiler), ebenfalls Tradclimbing. Eine Ganztagestour und auch die Kletterschwierigkeit ist höher als bei der ersten Route. Tags darauf gehts gleich nochmal los. Der zeitige Start ist obligatorisch. Beim Zustieg vertun wir uns etwas und müssen uns durchs Gebüsch kämpfen. Etwas verspätet erreichen wir den Einstieg aber es ist noch genug Zeit und auch die Sonne verschont die Nordseite noch für ein Weilchen. Wir klettern los und es läuft wieder sehr gut. Die Route zu finden ist nicht immer ganz einfach, aber irgendwie finden wir immer unseren Weg und arbeiten uns stetig nach oben.
Dann stehen mit 5b und 5c die beiden anspruchsvollsten Seillängen bevor, was für mich heißt zusammenreißen, ruhig und sauber klettern und ordentlich absichern. Und auch diese Hürde meistern wir und am Ende werden es meine beiden Lieblingslängen in dieser Route.
Weiter gehts nach oben. Miss B übernimmt jetzt wieder die Führung, immer Entlang des Grates. Dann nochmal eine schwere Seillänge, ein sehr ausgesetzter Standplatz und ein anspruchsvoller luftiger Einzelzug. Miss B steigt schließlich noch die sehr schöne Reibungsplatte zum Schluss vor und wir sind ganz oben. Yeah! Geschafft! Danke Miss B, du bist eine großartige Seilgefährtin und noch mehr natürlich ;-)
Aber runter müssen wir ja auch noch, was auch noch mal spannend wird! Fünf Abseilen an mehreren älteren Dauerschlingen mit einer rostigen Öse drinnen bringen uns ein ganzes Stück nach unten, danach steigen wir die steile Rinne weiter hinab und stehen schließlich wieder im Wald. Dieses mal ist es schon deutlich später am Nachmittag. Zufrieden, aber hungrig und durstig, laufen wir zu unseren Rucksäcken zurück und packen zusammen. Feierabend.
Die Tage darauf geben wir mal etwas Verantwortung ab und buchen uns eine Canyoningtour durch den Purcaraccia Canyon. Vor allem die natürlichen Steinrutschen machen uns dabei richtig Spass.
Zum Abschluss holen wir das Seil aber nochmal raus und klettern nochmal eine fünf Seillängentour auf den Punta d'Arghjavara mit wenigen Haken und einer sehr speziellen balancie 6a Länge die uns nochmal einiges abverlangt. Danach ist's aber erstmal gut mit luftigen Höhen und es geht nach Südosten zu unserem Kitespot. 
Gelb-Grüne Zornnatter
An der Westküste finden wir einen wunderbar ruhigen und naturbelassenen Campingplatz und das beste, es gibt einen Zeltplatzhund der uns täglich besuchen kommt. Tiko holt sich immer mal wieder Streicheleinheiten und Leckerlies ab und auch wir fühlen uns direkt wohl bei...

 ...Bonifacio

Die nächste Woche haben wir Nachmittags immer unseren Kitekurs. In der Zwischenzeit erkunden wir den Südzipfel der Insel, schwimmen und tauchen im Meer, gehen Bouldern oder lungern einfach in Hägematten auf dem Zeltplatz zusammen mit Tiko rum und geniessen die Gesamtsituation!
Hier für euch der Bilderschnelldurchlauf ohne viel BlaBla von mir dazu!
das Wunderbare Leben des Tiko

le Tortue d'Herrmann

Doch langsam müssem auch wir uns damit auseinandersetzten, dass auch dieser Urlaub sein Ende finden wird. Unsere letzten Tage brechen an, bevor wir in Bastia wieder die Fähre betreten werden. Aber vorher schlängeln wir uns noch die Ostküste entlang in Richtung Norden. Und ein kleiner Stop in Porto-Vecchio ist auch noch drin. Dort machen wir eine letzte Mountainbike-Tour und finden ein wuderbares veganes Lokal für ein Abschiedsessen, bevor es entgültig Abschied nehmen heißt. Ich erspar euch jetzt die Details zur Rückreise, die natürlich mit der Bahn nicht wie geplant funktioniert hat. Gut das wir mittlerweile einige Skills zum Improvisieren und Gelassen bleiben entwickelt haben.
Du wirst Insel der Schönheit genannt, doch für mich warst du vor allem Insel der Vielfalt. Alpine Abenteuer, Maritime Action, Steilküsten und Strände, Schnee und Palmen, Schweine und Geckos. Igendwie gabs von allem etwas. Das wird uns sehr fehlen, so wie mir schon Biscoff Spekulatiusaufstrich fehlt ;-)

Wir sagen Au Revoir und Merci!

Samstag, 13. Juli 2024

On Board 2024 - Nachschlag

Tag der offenen Heckklappe

 Hatte ich Nachschlag zum Thema snowboarden versprochen? Dafür ist's jetzt schon reichlich spät, wo wir doch alle schon wieder sommerlich am schwitzen sind. Trotzdem, hier folgt, wie angekündigt, nun die volle Dosis Boardtouren. 

 Lechtaler Alpen

Erster Anlaufpunkt für unseren Trip, war das kleine Örtchen Namlos. Im Schatten der schönen Namloser Wetterspitze fanden wir eine ganz nette Übernachtungsstelle und am Morgen darauf gings los zu unserer ersten Tour zum Tschachaun. Eigentlich eine machbare Einstiegstour, doch die erste Tour läuft, warum auch immer, etwas anders als geplant. Auch dieses Mal war das wieder der Fall. Erstmal gehts ohne viel Schnee ins Tal hinein und schließlich folgen wir einem Flussbett, das wir immer wieder kreuzen über die Steine hinweg. Auch das Wetter macht verrückte Sachen und wechselt fröhlich hin und her. Am Ende müssen wir noch ein riesiges altes Schneebrett überqueren mit 2m hohen Abbruchkanten. Kurz unterm Gipfel beenden wir unseren Aufstieg, da es schon recht spät ist und fahren durch das Nachbartal bei teils langsamem Nassschnee über ein Bachbett zurück.

Eine stimmungsvolle erste Tour, zwar kein Gipfelerfolg und die Abfahrt war auch etwas speziell, aber bei besseren Schneebedingungen lohnt es sich sicher nochmal zurück zu kommen, vor allem für die Wetterspitze.

Am nächsten Morgen ziehen wir weiter, mit dem Wissen, dass wir höher hinaus müssen. Unser Weg führt uns ins Sellrain um einen 3000er in Angriff zu nehmen. Auf gings zum Zwieselbacher Rosskogel.

Sellrain

Mehr Andrang gabs erstmal am Start dieser Tour. Da wollten doch einige Tourengeher das schöne Wochenende nutzen. Aber an der ersten steilen, glatten Engstelle, der "unteren Zwing" zeigt sich gleich mal was Sache ist. Viele straucheln dort bereits und rutschen ab mit ihren Tourenski. Ich umgehe diese Stelle, während Honk mit seinen Schneeschuhen lässig an allen vorbei stapft. Geschafft, ab jetzt wirds auch etwas ruhiger und unserem Marsch Richtung Gipfel steht nix mehr im Weg, ausser unser Mangel an Kondition. Aber schließlich stehen wir ganz oben und können einen weiteren wunderschönen 3000er auf unsere Liste setzen. Es folgt eine sehr lange, sehr schöne Abfahrt und ganz unten wird an der Hütte dann noch etwas in der Sonne relaxt, bevor es zum nächsten Projekt geht.

Potsdamer Hütte

Die Chance mal wieder auf einer Hütte zu bleiben, wollen wir natürlich auch wahrnehmen. Doch eine zu finden, die spontan noch zwei Plätze frei hat, ist gar nicht so einfach. Wir telefonieren und telefonieren und dann hat Honk Erfolg direkt in unserer Nähe. Es geht rauf zur Potsdamer Hütte und so gar das mit der veganen Ernährung ist dort kein Problem!
Wir bleiben also im schönen Sellrain, starten aber etwas tiefer im Tal,was konkret bedeutet, wir müssen unsere Boards erstmal auf dem Rücken durch Matsch und über Forstwege tragen bevor wir endlich wieder die Schneegrenze erreichen. Der Tag zeigt sich trüb, es nieselt leicht und wir arbeiten uns rauf Richtung Hütte. Dort angekommen auf 2000m schmieden wir Pläne für die nächsten Tage bei leckerer Zirbenlimonade.

Am nächsten Morgen gehts dann los. Wir nehmen einen weiteren 3000er ins Visier, die Lüsener Villerspitze. Doch der erste steilere südseitige Hang zeigt sich tricky. Immer wieder brechen wir knie- bis hüfttief ein, selbst mit Splitboard. Die tieferen Schneeschichten bestehen komplett aus unngebundenen Kristallen. Wir haben kein gutes Gefühl und brechen ab.Nach kurzer Beratschlagung wechseln wir auf die andere Talseite in Nord- und Ostseite des Tales wo die Schneedecke deutlich stabiler ist, und landen schließlich im Schalderjoch.
Hinab zur Hütte gehts dann durch feinsten pulvrigen Schnee. Seit sehr langer Zeit hatten wir nicht mehr so gute Abfahrtsbedingungen. Für unseren letzten Tag da oben ist klar, es geht nochmal auf die gleiche Talseite.
Wie bereits erwähnt, wenn man seit langem mal wieder solche Bedingungen hat, will man diese natürlich nutzen. Und so nahmen wir an unserem Abreisetag einen weiteren Gipfel in Angriff, den Wildkopf. Und dieses mal lief alles wie geschmiert. Wir erreichen ohne Probleme den Grat, wo wir unsere Boards zurück lassen und kraxeln dann hinauf zum Gipfel auf 2720m. Wieder bei den Boards angekommen geniessen wir noch für eine Weile die Sonne bevor wir uns durch den Pulverschnee zurück ins Tal pflügen, nicht ohne das ein oder andere Spray zu hinterlassen.
 Zur Belohnung gabs dann nochmal ein erfrischendes Zirbengetränk an der Hütte, bevor uns unser Weg gänzlich gen Tal führte.

Die Wetterprognosen wurden nun schlechter und wir hatten noch die Möglichkeit für eine Tour bevor es wieder nach Hause ging. Dafür sattelten wir nochmal um zu einem alten Bekannten für einen weiteren Versuch.

Hochglück im Karwendel

Bereits zwei Jahre zuvor waren wir ungloreich gescheitert und nun war es Zeit für einen neuen Versuch. Noch in der Nacht ging es los vom Parkplatz in Fall hinauf durch das schöne Engtal bis zur Strassensperrung. Schnell umgezogen, Tourensachen gepackt und ab aufs Bike. Weiter gings bei schöner morgentlicher Stimmung vorbei an den Ahornböden und Gämsengruppen bis zur Engalm. Zum zweiten mal hier, stiegen wir dieses mal zuerst über eisige Platten auf, doch schon bald wurde der Schnee besser. Durch graupelartigen Schnee spuren wir uns weiter nach oben und entscheiden weiter Richtung Hochglückscharte zu gehen. Der Gipfel des Hochglück muss also weiterhin noch etwas auf uns warten. Aber im letzeten Steilstück der Scharte arbeiten wir uns im ZickZack durch perlengroße unverbundene Schneekugeln. Wir sind unsicher und brechen auch die Scharte an der Stelle ab. Es geht wieder hinab.

Naja wie sagte mal ein weiser Mensch: Versuchen, Scheitern, nochmal Versuchen! Irgendwann klappt's noch mit uns und dem Hochglück. Doch damit war die Wintersaison dann beendet und die schneefreie Zeit stand bevor. Zeit sich ein paar Hunde einzuladen und die heimischen Wälder unsicher zu machen, bevor der große Sommerurlaub ansteht. Aber mehr dazu dann im nächsten Beitrag.
 

Bis denn!