Montag, 28. November 2022

The Train Trilogy - Part Two - die Pyrenäen

 ...und weiter gehts.

Nach nur einem Tag in Arles ziehen wir aufgrund der schlechten Wetterprognosen weiter. Eines unserer Hauptziele wartet auf uns, die Pyrenaeen. Mit dem Zug gehts weiter nach Narbonne, wo wir direkt erstmal wieder stecken bleiben. Der naechste Schnellzug hat zwar noch Platz, aber das Kontingent fuer Interrailtickets ist bereits voll. Ja, ihr habt richtig gehoert, es gibt ein Kontingent fuer dieses Ticket. Das haetten wir auch gern eher gewusst! Uns reichts erstmal, wir beschliessen der Bahn vorerst den Ruecken  zu kehren und begeben uns auf die Suche nach einem Mietwagen. Beim dritten Anbieter werden wir fuendig und so bekommen wir "Bonzi", wie wir unseren fahrbaren Untersatz fuer die naechsten 2 Wochen taufen.

brummli, brummli, brummli, brummli...


Wir duesen los. Direkt nach dem Parkplatz, an der ersten Kreuzung, halte ich an einer gruenen Ampel, um ein Rettungsfahrzeug mit Sirene und Blaulicht vorbei zu lassen. Die Fahrer*innen im Auto hinter uns sind leider nicht ganz so aufmerksam. Bumms! Auffahrunfall nach nur einer Minute fahrt. Wenns einmal laeuft, dann laeufts! Zum Glueck ist Bonzi so gut wie unbeschadet und wir koennen unseren Weg unmittelbar fortsetzten. Nach kurzer Zwischenuebernachtung, erreichen wir am Tag darauf Bielsa auf der spanischen Seite der Pyrenaeen, ein kleines Oertchen am
Nationalpark Ordesa y Monte Perdido. Hier auf der Suedseite des Gebirges soll es die naechsten Tage sonnig bleiben. Also gute Bedingungen fuer eine erste Gipfeltour!

Ordesa y Monte Perdido

Und die starten wir direkt am naechsten Morgen. Den Monte Perdido im Ruecken, machen wir uns auf, vorbei an den Lagos de la Munia, zu Miss B's erstem Dreitausender, dem Pico de Rubinera. Eine wunderschoene erste Tour, gekroent mit dem Ausblick vom 3003m hohen Gipfel und vorbeifliegenden Geiern.

kurze Pause vorm steilen Anstieg

der Pico de Rubinera in Sicht...
...und der Blick zurück Richtung Monte Perdido

Gipfelpanorama mit den Lagos de la Munia

die Murmeltierwachen behalten uns immer im Auge

die Sonne geht...
und die Schatten werden länger und länger...

Als wir die Runde schliesslich beenden, daemmert es bereits. Ups, dann ist es wohl doch gleich eine zehnstuendige Tour geworden. Recht ambitioniert fuer den Anfang. Unsere Beine tun auch dem entsprechend weh und wir sind ganz schoen platt. Zeit fuer eine kleine Pause.

Nach einem Tag lesen am Pool, bekommen wir Lust in die Pedalen zu treten. Eigentlich wollen wir eine MTB-Runde bei Panticosa machen, doch dort gibt es leider nur E-Mountainbikes im Angebot. Shame on you. Wir haben zwar sehr viel Bock auf unsere ausgesuchte Tour, wollen aber auch nicht unsere Prinzipien uebergehen. Wir lassen die Tour sausen und versuchen unser Glueck nochmal auf franzoesischer Seite in Laruns. Mit Erfolg! Das kleine fahrradverrueckte Oertchen hat klassische MtBs zu verleihen und das nutzen wir natuerlich fuer eine Runde im Pyrenaeen Nationalpark.

Laruns und der Pyrenäen Nationalpark

Man merkt sofort hier ist was anders. Der Fahrradwahnsinn zeigt sich an allen Ecken und Enden, ueberall strampeln sich Menschen jeden Alters die Serpentinen rund um den Ort hinauf und wieder hinunter, alles ohne E-Antrieb. Laruns ist Teil der Tour de France, radeln wird hier gelebt. Und auch wir bekommen das zu spueren als wir unsere Tour starten. Es geht direkt steil los durch kleine Gassen und wir werden immerwieder angefeuert. "Allez Allez" und "Courage" wird uns zugerufen, von Bauarbeitern beim Strassenbau oder auch Frauen die gerade Waesche aufhaengen. Ein Motivationsschub, den wir gut brauchen koennen, denn es geht bergauf, 1200 Hoehenmeter am Stueck. Eine schottrige Serpentine folgt der naechsten bis zum Col d'Agnoures. Dabei passieren wir mal wieder eine wunderschoene Bergkulisse aber auch eine Gang Geier die gerade die Reste einer verendeten Kuh zerlegt. Zuletzt geht es noch durch die Wolkendecke. Und als wir oben ankommen, befinden wir uns sogar ueber den Wolken. Zeit fuer eine kleine Rast, bevor es zur Abfahrt geht.

nur noch eine Serpentine...ich schwörs
natürliche Recyclingarbeiter
Radelpause mit Ausblick
jetzt aber wirklich, letzte Kurve
 
Der Abfahrtstrail hats dann in sich. Steile Haenge, nasse Wurzeln und enge Spitzkehren. Wir kaempfen uns hinab. Und zum Ende finden wir sogar unseren Flow und heizen bis ins Tal.
Am Tag darauf gehts dann auf Wanderrunde zum Pic Midi d'Ossau und um die Lacs d'Ayous. Meine Wunschroute. Die Tour ist etwas einfacher und kuerzer als letztes Mal, aber ebenso imposant, ist sie doch gepraegt vom beeindruckenden Gipfel des Pic Midi. Auch die zahlreichen Bergseen und Tiere machen diese Wanderung zum Erlebnis. Ueberall sind Ponys, Schafis und ein Muli, aber auch mehr Touris.
omnipresent: der Pic Midi d'Ossau

überall Ponys

Lac d'Ayou und mal wieder Pic Midi

auch für Schäfchen ist  noch Platz

der Pic Midi mal von ner anderen Seite :)
 
Doch auch diese Wandertour findet schliesslich ihr Ende und wir muessen "Au Revoir" sagen, beziehungsweise "Hola", denn es geht wieder auf die spanische Seite zu unserem letzten Ziel in den Pyrenaeen, fuer dieses Mal. Es geht auf nach Barruera und den Parc Nacional Aigueestortes i Estany de Sant Maurici, den ich ab jetzt nur noch mit Maurici NP abkuerzen werde!

Baruerra und der Aigueestortes i Estany de Sant Maurici Nationalpark 

Wir schlagen also unser Zelt in Baruerra auf, am suedwestlichen Rand des Parks und unterhalb des Cavallers Stausees. Zu diesem gehts auch gleich an unserem ersten Tag. Direkt neben der Staumauer gibt einige Sportkletterrouten in feinstem Granit und wir lassen uns ein paar davon nicht entgehen. Ein schicker Einstieg, der Lust auf mehr macht. Miss B macht natuerlich auch noch ein paar Mountainbikes fuer den naechsten Tag klar. Es geht also sportlich weiter. Keine Zeit zum Verschnaufen, denn das sind unsere letzten Tage in den Pyrenaeen und die wollen wir voll ausnutzen. Am naechsten Morgen gehts also los, wir holen die Bikes ab und duesen das Tal hinauf. Bei einer vermasselten Flussueberquerung hol ich mir gleich noch pitschnasse Fuesse. Egal, wegen sowas bricht man nicht ab! Der folgende Anstieg ist fuer uns etwas zu asphaltlastig, aber wir kaempfen uns durch und werden mit einer grossartigen Abfahrt belohnt. Erst gehts mit High Speed ueber breite Wege in Richtung Tal und dann folgt ein wunderbarer S3 Trail. Sehr anspruchsvoll, doch mit etwas Mut und bis auf wenige Einzelstellen, sehr gut fahrbar fuer uns. Wir sind auf jeden Fall geflasht! Zurueck am Campingplatz, schauen wir dann den Blitzen in den Bergen zu, denn ab jetzt ziehen abends immer wieder Gewitter heran. Schliesslich treibt uns der Regen in das kleine Lokal am Zeltplatz. Es werden munter Tische und Stuehle verrueckt und alle quetschen sich in den winzigen Raum. Wir geniessen die ausgelassene Stimmung und goennen uns noch lecker Veggie-Burger, Patatas Braves und Hummus. Dann ist's Zeit in den Schlafsack zu kriechen.
 
Wir lieben Platten!
the long Way down

Liegen Steine in deinem Weg...

...dann fahr einfach drüber!
 
Und dann wars soweit, unsere letzte Tour in den Pyraeneen stand bevor. Es geht nochmal rauf zum Cavallers-Stausee, wo wir unsere finale Wandertour starten. Es geht ins Vall de Comalesbienes, zu den Estanys de Comalesbienes und hinauf zum Punta Alta de comalesbienes. Die volle Kreativitaet bei der Namensgebung! Wir folgen dem steilen und, laut Warnschild, gefaehrlichen Anstieg die Schlucht hinauf. Mit Hilfe von EisenKetten queren wir aus der Schlucht hinaus und wandern schliesslich ueber riesige Blockfelder, in denen die Wegfindung gar nicht so einfach ist. Auf 2000m begruesst uns eine Kroete am Wegesrand. Wir vermuten eine neue Gattung, die Unkus Alpina, auch Alpinistenunke genannt. Nach genaueren Recherchen handelt es sich jedoch um eine Erdkroete, halt nur sehr weit oben. An den Comalesbienes-Seen angelangt gibts ne kleine Pause vorm letzten Gipfelanstieg. Doch gestaerkt, bewaeltigen wir auch diesen und stehen auf dem naechsten Dreitausender, dem Punta Alta de Comalesbienes mit 3014m, mit Blick bis zum Pico Aneto, dem Hoechsten Berg der Pyrenaeen.
 
Azalee de Comalesbienes

Heil der Hypnosekröte

Pausenplatz de Comalesbienes

wortwörtlich ein "Punta Alta"


Estany de la Roca

Wir kraxeln wieder vom Gipfel runter und machen uns auf den Rueckweg. Am Estany de la Roca angekommen, hoeren wir ein Rumpeln, das abendliche Gewitter zieht heran. Regen setzt ein, wir steigen um auf Regenklamotten und beginnen etwas schneller zu laufen mit dem Ziel das Refugi Ventosa i Calvell vorm Gewitter zu erreichen. Dort angekommen, stellen wir fest, dass das Refugi geschlossen ist. Viele Menschen quetschen sich in den Schutzraum. Da es noch immer nicht blitzt und donnert, beschliessen wir bis zum Auto weiterzuziehen! Der Maurici NP ist gepraegt von Wasser. Ueberall sind Seen, Baeche, Wasserfaelle. Der Regen hat mittlerweile alles in einen einzigen Wasserpark verwandelt, aus jeder Ecke, jedem Winkel stroemen Baeche und fliessen mit uns auf dem Wanderweg zurueck zum Stausee.

Am naechsten Morgen machen wir uns wieder auf nach Narbonne um unseren Mietwagen abzugeben. Wir fahren als Pyrenaeen-Fans, etwas wehmuetig das die 2 Wochen schon vorbei sind. Viel haben wir erlebt, vieles bleibt noch offen fuer naechstes Mal. Aber ein schoenes Ziel kommt ja noch in diesem Urlaub, mehr dazu dann in Teil 3!

"Bis dann" sagen Miss B & Monk

Dienstag, 25. Oktober 2022

The Train Trilogy - Part One - von Dresden nach Arles

Und nun war es soweit, unser erster Urlaub ohne unsere geliebte Kira stand bevor. Sie war stets unsere treue Begleiterin, hat jeden Urlaub immens bereichert, immer fuer Action gesorgt, war bei jedem Spass vorne dabei und auch wenns mal schwierig wurde konnte man sich immer auf sie verlassen. 
Du wirst uns immer begleiten, wo es auch hingeht!
und doch fehlst du uns jeden Tag.
 
Was Kira wohl gemeint haette zu unserer Idee dieses Jahr 2 Monate mit oeffentlichen Verkehrsmitteln Urlaub zu machen? Wahrscheinlich haette sie uns fuer bekloppt erklaert und wie immer haette sie Recht gehabt!
Trotzdem, der Plan stand fest.  Mit dem Zug solltes bis nach Spanien gehen. Doch um schon mal ein Gefuehl dafuer zu bekommen, wie Zugreisen so sind, gab es vorher noch einen kleinen Testlauf...

der Testlauf - Königshain

Ein verlaengertes Wochenende in den Koenigshainer Bergen sollte als Probefahrt dienen. Gut eine Stunde Zugfahrt stand uns bevor. Eine Stunde dir wir letztlich Stehend in einem voellig ueberfuellten Zug verbringen, mit unseren Fahrraedern und grossen Rucksaecken. Ein erstes Zeichen,das Reisen im Zug vielleicht nicht ganz so romantisch werden wird, wie gedacht? Aber seis drum. Ein schoenes Wochenende folgte. In einem privaten Garten schlugen wir unser Zelt auf und mit dem Bike gings in den Steinbruch zum klettern und zur Besichtigung des alten Bergwerks! Ein wunderbarer Kurztrip.
looking for Honey?
Symbolbild Bahnreisen
gleich und doch verschieden

Doch nun wurde es ernst! Mit unseren InterRailTickets in der Hand gings Ende Juli Richtung Bahnhof Dresden-Neustadt. Die Sachen fuer zwei Monate in die Rucksaecke gestopft, ein grosser auf dem Ruecken und ein kleiner auf dem Bauch. Voller Vorfreude, dass es endlich losgeht, betreten wir den Bahnhof und wollen unseren ersten Zug nach Leipzig nehmen. Beim Blick auf die Anzeige fragt mich Miss B warum unser Zug weiss markiert ist. Die Antwort ergibt sich von selbst als wir der Anzeigetafel naeher kommen: "Zug faellt aus" steht da. Na das geht ja gleich mal richtig gut los. Wir planen um und statt gemuetlich im IC zu sitzen, stehen wir wieder in einem voellig ueberfuellten Regionalzug nach Leipzig. Woher kommt mir diese Situation nochmal bekannt vor? Naja, wenigstens bekommen wir unseren Anschlusszug nach Ulm, wo wir abends ankommen und unser Zelt direkt in der City beim Kanuverein aufstellen. 

 Blaubeuren und die Hoehlen

Die ersten Tagen, werden von uns gleich voll genutzt. Hike and Climb ist das Motto des ersten Ausflugs. Mit der Bahn gehts morgens von Ulm nach Blaubeuren und wir wandern vorbei an einigen Klettermassiven an denen wir erste Routen klettern und uns versuchen an Kalkstein zu gewoehnen. Nebenbei besichtigen wir die "kuessende Sau", ein Felsen in der Optik von zwei sich kuessenden Schweinen. Danach wandern wir weiter zum Blautopf einem Markenzeichen der Region.

küssende Säue...

...und blaue Töpfe

Ein weiteres Markenzeichen der Region sind die zahlreichen Hoehlen. Und da sich Miss B schon laenger gewuenscht hat mal eine davon anzuschauen, setzten wir das am folgenden Tag direkt in die Tat um. Mit ausgeliehenen Fahrraedern geht es vorbei an der Sontheimer Hoehle, welche geschlossen ist, zur Tiefenhoehle, die wir auf eigene Faust erkunden koennen. Eine  kleine Runde durch dunkle Abgruende. Im Anschluss wird nochmal das Seil ausgepackt um die letzten Routen zu klettern.

von ganz unten...

...gehts nur noch nach oben
 
 Am naechsten Morgen ging es dann wieder ab zum Bahnhof und weiter ueber die Grenze nach Frankreich fuer einen kurzen Stop in den noerdlichen Vogesen.

Almost like Home - die Vogesen

Ein Sandsteingebiet auf unserem Weg lassen wir uns natuerlich nicht entgehen, weshalb wir auf dem Campingplatz Heidenkopf in Niederbronn-les-Baines einchecken und fuer 3 Tage die Vogesen erkunden wollen. Zu Fuss vom Zelt erreichen wir den Heidenkopf Steinbruch, wo wir klettern was das Zeug haelt. Der rote, feinporige und feste Sandstein und die Sportkletterabsicherung kommen uns sehr entgegen und motivieren auch mal in Grenzbereiche zu gehen.
Eine, am Ende nicht ganz so kleine, Wanderunde zum Chateau Windstein folgt tags darauf.
Chateau Windstein

die neuen Besitzer des Chateau
 
Mountainbikes sind leider alle ausgebucht und die Moeglichkeit ein MTB-Tandem auszuleihen, lehnen wir dankend ab. Statt dessen planen wir die Weiterreise, denn bis nach Spanien ists noch ein ganzes Stueck! 
Next Stop: Pilat. Aber erstmal hinkommen...

Am Ufer der Rhone - Pilat 

Die Weiterreise sollte sich jedoch erstmal als Chaostag herrausstellen. Schienenersatzverkehr von Niederbronn. Eigentlich sollte dieser vom Bahnhof starten, doch die franzoesische Bahngesellschaft hat sich gedacht die Haltestelle etwas weiter weg zu verlegen und dafuer nur einen ganz winzig kleinen Hinweis in der letzten Ecke des Bahnhofs zu hinterlassen. Natuerlich nur auf Franzoesisch damit es auch nicht zu leicht wird fuer fremdsprachige Reisende. Jedenfalls verpassen wir unseren Bus, obwohl wir mehr als rechtzeitig am Bahnhof sind. Darauf folgt ein sehr langes, kompliziertes Telefonat um unsere Reservierungen fuer den TGV umzubuchen, denn trotz Interrailtickets muss man in Frankreich zusaetzlich Sitzplaetze fuer die Schnellzuege reservieren. Schafft man also seinen Anschluss nicht, faengt man an seine komplette Strecke umzubuchen. Ein sehr nerviges Prozedere, welches uns nicht das letzte Mal begegnen sollte! Seis drum. Wir erreichen irgendwie spaet am Abend Lyon, wo wir feststellen muessen das unser Zug nach Saint-Claire-Du-Rhone nicht mehr faehrt. Dieses mal ein Fehler unsererseits, beim Suchen der Verbindung haben wir uebersehen das dieser Zug so spaet nur am Wochenende faehrt und es ist natuerlich Wochentag. Keine Chance noch weiterzukommen ausser mit dem Taxi. Ach ja und der Zeltplatz will uns auch um 23Uhr nicht mehr reinlassen!
Eine Taxifahrt und eine Stunde spaeter, sowie 90Euro aermer erreichen wir Saint-Claire und Miss B hat ueber AirB&B ein Hausboot klar gemacht auf dem wir einchecken. Geschafft!!! Was fuer eine Odyssee.
 
eine Nacht in der Kapitänskajüte

ein Trauerschwan

Blick vom Mont Monnet
 
Endlich angekommen und das Zelt aufgebaut, koennen wir uns sinnvollen Dingen widmen und zwar was fuer Touren wir machen wollen. Leider sind wieder alle Mountainbikes verliehen und der Versuch mit den Stadtraedern die MTB-Tour zu fahren scheitert bereits im Ansatz. Also wird es eine gemuetliche Radrunde entlang der Rhone auf dem gleichnamigen Radweg. Aber etwas hoeher hinaus wollen wir trotzdem. Dann also zu Fuss auf den Mont Monnet. Das schoene an dieser Rund neben dem Ausblick vom Gipfel ins RhoneTal und bis in die franzoesischen Alpen, sind die vielen kleinen Koestlichkeiten am Wegesrand. Wir stopfen uns voll mit Brombeeren, Pfirsichen, Weintrauben und Birnen. Noch nie sind wir so satt von einer Wanderung zurueckgekehrt!
Nun stand die kurze Weiterreise nach Ardeche an, die bis auf das wir 2Stunden auf unseren Bus warten muessen, weil dieser im Stau steht, recht unspektakulaer bleibt. Ich bin gespannt wie es in der Ardeche wird, da ich als kleiner Monk schon mal dort war. Damals noch mit meinen Eltern.
Wir nutzen den kostenlosen Pendelbus in die Ardecheschlucht um zum Zeltplatz unserer Wahl zu gelangen. Waehren der Busfahrt bewundern wir die steilen Waende und Felsgebilde der Schlucht. Negativ faellt uns leider der ueppige Verkehr auf. Endlose Autos und Motorraeder schleppen sich hupend durch diesen Naturpark. Ein sehr seltsamer Anblick. Auch der Zeltplatz, den wir schliesslich erreichen, ist ueberfuellt mit saufenden Prolls und Spasstouristen. Laute Musik an jeder Ecke. Ist das die Art wie man mit so einem wunderbaren Fleckchen Erde und seinen Bewohnern umgehen sollte? Wir finden Nein! 
Aber jetzt sind wir hier und wollen zumindest ein wenig klettern gehen. Denn dafuer ists hier richtig gut. Unsere Tage beginnen sehr zeitig morgens, bevor alle anderen aufstehen, mit Yoga und Fruehstueck am Ufer der Ardeche. Danach verschwinden wir zum Klettern. Auch Mountainbikes sind dieses mal verfuegbar und wir koennen unsere erste Tour fahren,allerdings bei fast 40 Grad. Zurueck kommen wir von den Ausfluegen recht spaet um den ganzen Trubel am Zeltplatz zu umgehen und dann ist es am Flussufer auch wieder recht leer. So arrangieren wir uns erstmal ganz gut mit der Situation und das Klettern und Biken macht auch sehr viel Spass. Ganz wunderbar ist auch der Bioladen etwas ausserhalb der Stadt, der uns mit leckeren Dingen versorgt und fuer mich auch das beste Orangensorbeet hat, das ich jemals verdrueckt habe.
le Gorge de l'Ardeche in einem ruhigen Moment
eine Sattelschrecke
im Schatten lässt sichs climben
Bon Nuit Ardeche
 
Irgendwann haben wir allerdings doch die Schnauze voll vom nervigen Zeltplatz und satteln nochmal um, vorbei an Rauchsaeulen von Waldbraenden, ins kleine mittelalterliche Oertchen Balazuc. Deutlich ruhiger, gefaellt es uns dort schon viel besser. Leider hat sich Miss B einen Infekt zugezogen und wir lassen es etwas ruhiger angehen. Wir besuchen das autarke Dorf Vieil Audon,gehen baden, lesen am Ufer der Ardeche und geniessen Salat Merli Merlot im Retaurante. (Ein Salat der fast komplett aus verschiedenen Melonen besteht). Die liebe Miss B sichert mich noch ein paar Routen und dann heisst es Au Revoir Ardeche, wir wuenschen dir einen sanfteren Tourismus!
 
auf den Dächern von Balazuc
endlich mal kein Kanu im Weg
zu feige zum Ernten der Kaktusfeige?
unterm Zelt: im Loch ein Skorpion daneben Riesenpinne
 
Wir quetschen unser Zeug ein weiteres mal in einen Bus und dann in den Zug und setzten unsere Reise fort. Es geht nach Arles am Rande der Carmaque. Eine Kuenstlerstadt und unser letzter Stop bevor wir die Pyraeneen erreichen.

die große Ebene - Carmaque & Arles

Voll motiviert, uns das Wildlife anzuschauen, mieten wir uns Fahrraeder auf unserem City-Campingplatz und starten unsere Runde in Richtung Carmaque. Unsere Bikes sind etwas speziell, nur ein Gang und die Bremsen mit eher homoepatischer Wirkung, aber ansonsten durchaus ein "Hingucker".

"ein heißer Ofen, hauptsache schnell..."
(Casanovas Schwule Seite - Höllenfeuerlicht)

Zum Glueck gehts immer flach hin und in einem Anfall von Wahnsinn entscheiden wir uns fuer eine ziemlich grosse Runde mit kurzem Badestop am Mittelmeer. Am Ende sind wir mit den ollen Karren 94km gefahren und ganz schoen fertig als wir wieder am Zeltplatz in Arles ankommen. Gelohnt hat sich der Ausflug aber sehr, wurden wir doch mit einer bizarren und doch wunderschoenen Landschaft, hunderten Flamingos und vielen anderen Seevoegeln, schwarzen Rindern und natuerlich weissen halbwilden Carmaque-Pferden fuer unsere Anstrengungen entschaedigt.
 
pink und stylisch - Flamingos

flach, flacher, Carmaque

wild Horses running round and round

one of your legs is not available
 
So dass war Teil 1 unserer Reise.
Teil 2 - die Pyrenaeen folgt bald... bis dahin
Tschau sagen Miss B & Monk

Freitag, 20. Mai 2022

In Loving Memory

 Weißt du noch, wie du morgens immer ums Bett herumgekommen bist? Ich hab dich im Halbschlaf schon leise gehört, deine Schritte auf dem Boden und schließlich ein Schütteln. Ich hab vom Bett heruntergeschaut und du hast mich mit großen Augen angeschaut und wir beide wußten genau was du wolltest! Also ließ ich meinen Arm herunterhängen und du hast dein Köpfchen in meine Hand gedrückt und ich hab dich gekrault, so lange bis du keine Lust mehr hattest. Dann bin ich aufgestanden und du hast dich wieder hingelegt.

 Und jetzt? Ich schau auf dein Deckchen, ich schau auf der Strasse neben mich und du bist nicht mehr da. Aber du warst doch immer da!

 Über viele Jahre hast du uns stets treu begleitet, kein Ziel zu weit entfernt, kein Abenteuer zu verwegen. Pfote in Hand gings immer voran. Doch nun bist du nicht mehr da und wir versuchen weiterzuleben, doch ohne dich fühlt es sich nur wie sinnloses herumtaumeln an. Ein Teil von uns ist mit dir gegangen und wird nicht mehr zurückkehren. Was bleibt sind Erinnerungen an die beste Freundin die man haben kann und an die gemeinsamen Erlebnisse.



 Ich stell mir vor wo du jetzt bist und wie's dir dort geht. Ich seh dich glücklich über grüne Wiesen rennen, Stöckchen knabbern, Bällchen spielen. Und eines Tages werde auch ich den Schritt gehen, den du gegangen bist. Eine Reise ins Unbekannte. Und dann werden wir uns wiedersehen!

"...in meinem Herz, in meiner Seele, in meiner Welt wirst du immer bei mir sein..."
                                                                (für immer und ewig - TLUF) 
 
 

Goin' late, Goin' big

 Mal wieder hält der Frühling Einzug und überall sprießen Blümchen aus dem Boden, die ersten Insekten schwirren umher und die Vögel zwitschern ihre Lieder von den Bäumen. Eigentlich Zeit um draussen die heimischen Felsen zu erklimmen! Doch Honk & Monk hatten andere Pläne. Frühjahrsboardtouren unter dem Motto "Bike to Ride" standen auf dem Programm. Ein paar schöne Gipfelideen im Kopf, machten wir uns Mitte April nochmal auf den Weg Richtung Alpen, um ein letztes mal für diese Saison aufs Brett zu steigen.

Spring at home

Röschen im Busch
 
Rotmilan auf'm Busch

 Erster Streich: Hochglück

...Und so gings auf zu unserem ersten Ziel, dem Hochglück im Karwendel.

Erst im Mai öffnet die Mautstrasse ins Engtal, aber um die Tourieschwämme in ihren Blechmobilen zu umgehen, kann der motivierte Tourengeher schon früher im Jahr mit dem Rad die 12 km und 400 Höhenmeter zur Engalm hinter sich bringen, eine landschaftlich schöne Strecke vorbei an den beiden Ahornböden. Soweit auch unser Plan. Noch nie vorher probiert, sollte diese Tour für uns als erstes Experiment dieser Art dienen.

Bis zur Alm lief alles soweit ganz gut, leichter Zeitverzug, aber die Ausrüstung ließ sich ganz gut auf den Bikes transportieren. Und so gings auf zur Tour, aber wir merken schon bald das uns die Energie fehlt. Die Beine wollen nicht ganz so wie wir. Die Zeit verstreicht. Die Aprilsonne setzt uns zu. Am Anfang der steilen, finalen Rinne zum Gipfel müssen wir aufgeben. Wir sind platt und es ist bereits zu spät. Wir geben uns geschlagen, für dieses Mal! Aber wir kommen wieder.

ein Ahorn macht noch keinen Ahornboden

Blick zur Eiskarlspitze

biking back ohne Gipfel im Gepäck

...was macht man wenn man es nicht auf einen 2573m hohen Gipfel schafft? Genau, man probiert es mit einem 3360m hohen Gipfel! Also auf zur Hochalmspitze, der Königin der Tauern.

Zweiter Streich: Hochalmspitze

Wir ziehen um ins Maltatal nach Kärnten. Die Schranke zur Mautstrasse ist bereits geöffnet und somit können wir direkt zur Gmünder Hütte hochfahren. Das erspart uns einige Höhenmeter mit dem Fahrrad auf der steilen Asphaltstrasse. Unser Ziel für den Tag ist die Villacher Hütte, eine Selbstversorgerhütte und Zwischenstation auf dem Weg zur Hochalmspitze, der höchste Gipfel, den wir je als Boardtour gemacht haben. Der Forstweg am Beginn der Tour hat leider keinen Schnee mehr zu bieten, denn auch dieser Winter kam schneeärmer daher als normal. Für uns heißt das erstmal Splitboard und Schneeschuh tragen, Serpentine um Serpentine, und dann ... endlich Schnee! Wurde auch Zeit! Wir können somit anschnallen und das letzte Stück zur Hütte vortsetzen, umringt von herrlicher Natur und dem Blick auf die gegenüberliegenden Berge, wie dem Großen Hafner. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir die Hütte. Jetzt heißt es nur noch Ofen anfeuern, Schnee schmelzen, futtern, Tee trinken, Füsse hochlegen und dann ab ins Bettenlager. Denn am nächsten Morgen solls mit den ersten Sonnenstrahlen wieder losgehen!

kaum zu verfehlen - die Villacher Hütte

Honk kocht

 Um 5 Uhr heißts schon wieder aufstehen. Wir wollen so viel wie möglich Strecke schaffen, bevor die Sonne ihr volle Kraft entwickelt. Und es geht gut los, bei angenehmen morgendlichen Temperaturen, schlängeln wir uns durch die Steinfelder und erreichen schließlich den Gletscher, der sich bis unter den Gipfel erstreckt. Auf dem Gletscher entdecken wir noch eine Schar Vögel, die sich in der Sonne aufwärmen. Uns ist es bis jezt noch nicht gelungen diese zu bestimmen. Wenn ihr sie auf dem Foto unten erkennt, dann gebt euer Wissen gern an uns weiter. Für uns war das auf jeden Fall eine einmalige Begegnung auf 2700m.

the rocky Road to Hochalmspitze

high sitting Birds

 Aber für uns gings ja noch weiter, über den Gletscher immer stetig hinauf. Die letzte Steilstufe überwindend verlassen wir schließlich das Eisfeld und gelangen ins Kar zwischen den Elendsköpfen und unserem Gipfel. Ab hier gehts zu Fuss weiter über den Grat, mit reichlich Tiefblick. Ein letztes Mal konzentrieren, sicher treten und wir habens geschafft! Gipfelerfolg! Big Smile! Als Belohnung gabs einen wunderschönen 360 Grad Panoramablick mit so einigen bekannten Gipfeln. 

Am Ende des Gletschers

der letzte Grat
 
die Königin der Tauern

"... Get on the Top of it, make all the Pieces fit,

keep the Fire burning..."    

                             (Keep the Fire burning - Dub Pistols)

 Danach gings auf zur wunderbar langen Abfahrt zurück zur Hütte, wo wir erstmal die Füsse hochlegen und alle Viere gerade sein lassen, immerhin hatten wir so eben unsern höchsten Skitourenberg ever erklommen,

Wir entscheiden noch eine weitere Nacht auf der Villacher Hütte zu verbringen, den uns gefällt's einfach so sehr da oben.  

der Letzte macht das Licht aus

Unser Dritter Streich sollte eigentlich das dritte Watzmannkind werden, wieder mit Bikeunterstützung. Doch leider machte uns dieses Mal das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Nur ein kleiner Ausflug ins Dösener Tal ist noch drin, eine Neuerkundung für vielleicht zukünftige Projekte. Wir werden sehen! Mit dem einsetzenden Regen treten wir die Heimreise an und sagen Auf Wiedersehen Alpen.